Der Ort, an den alle Menschen gehen

Prediger 6,6: „Gehen nicht alle dahin an einen Ort?“

Ich erinnere mich, dass ein geistreicher Schriftsteller, der sehr viel geschrieben und veröffentlich hatte, einmal bemerkte, dass seine besten und profitabelsten Veröffentlichungen diejenigen waren, die geschrieben wurden, nachdem er über 50 Jahre alt war. Man nimmt an, dass dann die Urteilskraft gereift ist und der Geist gewissermaßen zur Reife und Erkenntnis gelangt ist; und Erfahrungen, die man in der Jugend gemacht hat, werden im Alter nützlicher sein, wenn graue Haare hier und da sichtbar werden. Man sagt in der Tat, dass alte Menschen zum zweiten Mal zu Kindern werden, aber es gibt einige, deren Geist so niedrig entwickelt ist, dass sie nicht zum zweiten Mal Kinder werden können, weil sie von der Wiege bis zum Grab sich nicht weiter als Kinder entwickelt haben; aber das trifft nicht auf Gottes Kinder zu, denn weil sie über die falschen Schritte nachdenken, die sie gemacht haben, dienen diese dazu, in ihrem späteren Leben lehrreich für sie zu sein, wenn alles aus einem geheiligten Verständnis von Bedrängnissen hervorgeht. Das trifft auf Salomo zu; obwohl er in jungen Jahren hoch begünstigt war, denn der Herr erschien ihm zweimal, fiel er trotzdem äußerst schrecklich und wenn wir nicht von seiner Wiederherstellung gelesen hätten, dann müsste die Lehre vom Ausharren der Heiligen bis ans Ende 1Mt 10,22 in sich zusammenfallen. Aber wir haben Grund zu der Annahme, dass er zur Besinnung kam und den Beweis für seine Wiederherstellung dadurch lieferte, dass er auf eine solche Weise schrieb, wie es nur jemand tun könnte, der viel von Gott und von sich selbst weiß. Nehmt als Zeugnis dafür das Buch Prediger, das in allen Zeitaltern der Kirche mit besonderem Respekt aufgenommen worden ist. Ein Prediger war Salomo durch seine eigene Erfahrung und wurde darin nur von dem übertroffen, der so redete, wie noch niemals ein Mensch geredet hatte. 2Joh 7,46

   Das Kapitel, aus dem unser Text stammt, beschreibt die Nichtigkeit und das Elend unseres gegenwärtigen Zustands, wenn er nicht geheiligt ist. „Es gibt ein Übel“, sagt er, „das ich gesehen habe unter der Sonne, und schwer lastet es auf den Menschen.“ Obwohl er als nächstes ein Ungeheuer beschreiben wird, ist es doch ein Ungeheuer, das wandelt und umhergeht, ein Mensch, dem Gott „Reichtum, Schätze und Ehre gibt, sodass ihm gar nichts fehlt, wonach seine Seele begehrt, wenn ihm Gott aber nicht gestattet, davon zu genießen, so ist das nichtig und ein schweres Leid!“ 3Pred 6,1-2 Gab es jemals eine zutreffendere Beschreibung eines alten, habgierigen Geizhalses, der seinen Reichtum einem hinterlässt, der ihn schneller verschwendet, als der arme Elende dazu gebraucht hat, ihn zu erwerben? Er fährt fort und sagt: „Wenn ein Mann hundert Kinder zeugte und viele Jahre lebte — so groß auch die Zahl seiner Lebenstage würde, wenn seine Seele nicht gesättigt wird von dem Guten und ihm kein Begräbnis zuteilwird, so sage ich: Eine Fehlgeburt ist glücklicher als er! Denn sie kam in Nichtigkeit und ging im Dunkel dahin, und ihr Name ist im Dunkel geblieben; auch hat sie die Sonne nie gesehen noch gekannt; ihr ist wohler als jenem! Sie hat weder die Sonne gesehen noch etwas erkannt, und sie hat mehr Ruhe als jener.“ Und dann, auch wenn dieses Geschöpf zweimal tausend Jahre gelebt hätte, aber Gutes nicht gesehen hätte, nichts Gutes genossen hätte, was ihn froh gemacht hätte; „nun“, fügt er hinzu „gehen nicht alle“, sowohl die Fehlgeburten als auch die Betagten, jung und alt, hoch und niedrig, reich und arm, ob mit Kindern gesegnet oder kinderlos, ob wie Lazarus, die um ihr Brot betteln oder wie der reiche Mann, gekleidet in Purpur und feine Leinwand und alle Tage fröhlich lebend und in Prunk 4Lk 16,19 „gehen nicht alle dahin an einen Ort?“

   Eine wichtige Frage! Soll ich sie euch heute Abend stellen? Wisst ihr, was der weise Mann damit meint, wenn er euch diese Frage zum Nachdenken anbietet: „Gehen nicht alle dahin an einen Ort?“ Was mag damit bezweckt werden? Die Sache, von der hier gesprochen wird, kein Zweifel, ist der Tod; der Ort, von dem hier gesprochen wird, kein Zweifel, ist das Grab. Eine erstaunliche Überlegung! Ein Teil der ersten Strafe, die der große und heilige Gott jemals über den gefallenen Menschen verhängt hat, über einen und über alle: „Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren.“ 51Mo 3,19 Wegen der Übertretung unserer Ureltern ist es allen Menschen bestimmt, allen Arten von Menschen, allen Bewohnern unter dem Himmel, einmal zu sterben; und deshalb sagt der Apostel, „der Tod ist zu allen Menschen hindurchgedrungen, 6Röm 5,12 auch über die, welche nicht mit einer gleichartigen Übertretung gesündigt hatten wie Adam,“ 7Röm 5,14 das heißt, auch die, die sich nicht einer tatsächlichen Sünde schuldig gemacht haben. Kann es einen stärkeren Beweis für die Anrechnung von Adams Schuld geben, der Ursünde, oder eine noch einschneidendere Prüfung, die ein liebevoller Vater oder eine sorgende Mutter durchmachen können, als ihr liebes kleines Kind, das gerade neu geboren ist oder den liebenden Eltern nur für ein paar Monate gelassen worden ist, sterben zu sehen, oft in den größten Qualen, die wir uns vorstellen können? Und wenn Gott, meine lieben Zuhörer, es jemals zugelassen hat, dass eure lieben Kinder plötzlich von Krämpfen ergriffen wurden und über viele Tage hinweg fortwährend unter Qualen und schlimmen Schmerzen litten, dann habt ihr ausreichend Beweise dafür gehabt. Ein Freund von mir in London vor etwa zweiunddreißig Jahren war ganz vernarrt in jedes seiner Kinder und ich schrieb aus Georgia einen Brief an ihn, der mit diesen Worten begann: „Ist dein Götze schon tot?“, weil ich dachte, dass es ein Götze von der Sorte sei, der sich bald in Luft auflösen würde. Der Bericht, den er mir gab, als ich ihn zum ersten Mal wiedersah, war, dass am Tag bevor mein Brief ankam, das Kind in solcher Qual und Pein starb, dass seine Exkremente aus seinem Mund herauskamen, was den vernarrten und zärtlichen Vater sich wünschen ließ, lieber selbst tausend Tode zu sterben, als dass sein Kind auf eine solche Weise sterben sollte, und er fügte hinzu, „ich war gezwungen, zu Gott zu gehen und ihn darum zu bitten, meinen Liebling fortzunehmen.“ Was für ein furchtbarer Beweis sind ihre Leiden, dass Kinder auf die Welt kommen mit einer Verderbnis, die sie Gottes Zorn und Verdammnis aussetzt, aber das Blut, das kostbare Blut von Jesus Christus, reinigt sie hoffentlich von der Schuld und der Befleckung der Sünde. 81Joh 1,7 Somit mögen diejenigen von euch, die Kinder haben, die in der Kindheit gestorben sind, oh, mögt ihr an dem, was ich gleich aus dem Text sagen werde, wachsen und euch bitte darum bemühen, an den Ort zu gelangen, wo ich hoffe, dass ihr eure Kinder sehen werdet, wie sie eine gesegnete Konstellation am Firmament des Himmels bilden. In dieser Hinsicht gehen alle dahin an einen Ort: manche am Beginn des Lebens, manche in der Mitte, und manche im hohen Alter; und glücklich, glücklich sind jene, die am frühsten zu Bett gehen, wenn ihre Seelen gerettet sind!

   Aber, meine lieben Zuhörer, in einem anderen Fall dürfen wir es sogar wagen, Salomo zu widersprechen. Denn wenn wir die Worte unseres Textes aus einer anderen Perspektive betrachten, dann gehen nicht alle dahin an einen Ort. Es stimmt, dass alle begraben werden im Grab, in der Erde oder im Wasser, aber dann nach dem Tod kommt das Gericht, 9Heb 9,27 der Tod gibt den entscheidenden, den trennenden Schlag. Angenommen also, wir würden den Text erweitern und das Wort auf alle Unbußfertigen beschränken und auf diejenigen, die nicht aus Gott geboren sind, diese gehen tatsächlich, wann immer sie sterben, alle dahin an einen Ort. Wenn ihr mich fragt, denn ich liebe es sehr, wenn meine Zuhörer wissbegierig sind, wen ich mit „den Unbußfertigen“ meine? Wen ich mit „denen, die nicht aus Gott geboren sind“ meine? Ich antworte: Ich meine damit alle, die nur den Namen von Jesus Christus tragen. Ich erwähne das, weil sehr viele Leute glauben, dass alle, die getauft sind, entweder als Erwachsene oder als Kinder, ob durch Besprengung oder durch Untertauchen, ich glaube, dass sehr viele Leute denken, dass alle diese in den Himmel kommen. Ich erinnere mich an damals, als ich begann, gegen die Wiedergeburt durch Taufe zu sprechen in meiner ersten Predigt, die gedruckt wurde, als ich ungefähr zweiundzwanzig Jahre alt war oder ein wenig älter; die erste Auseinandersetzung, die viele mit mir hatten, ging darum, weil ich nicht sagte, dass alle Leute, die getauft waren, wiedergeboren seien. Genauso gut könnte ich auch an die Lehre der Transsubstantiation glauben. Kann ich glauben, dass jemand, der keinerlei Anzeichen dafür zeigt, ein Heiliger zu sein, von der Zeit seiner Taufe bis zur Zeit seines Todes, der niemals gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel ankämpft und sich niemals um das kümmert, was seine Paten und Patinnen für ihn gelobt haben, kann ich glauben, dass diese Person ein echter Christ ist? Nein, ich kann genauso gut glauben, dass eine kleine Oblate in der Hand des Priesters, nur ein paar Millimeter groß, das echte Fleisch und Blut von Jesus Christus ist, der außerhalb der Tore Jerusalems ans Kreuz gehängt wurde. Ich glaube in der Tat, dass die Taufe ein Gnadenmittel 10 von Christus ist, aber zugleich kann kein aufrichtiger Mensch wütend darüber werden, dass ich behaupte, dass es Unzählige gibt, die als Erwachsene oder als Kinder getauft wurden, die nicht durch den Geist Gottes erneuert worden sind, die alle dahingehen werden an einen Ort, und dieser Ort ist dort, wo es kein Wasser geben wird, um das schreckliche Feuer zu löschen, das sie vor Durst verschmachten lassen wird. Ich spreche aus einem Buch, das die lebendigen Orakel Gottes enthält, und im Namen von einem, der die Wahrheit selbst ist, der ganz genau wusste, wovon er sprach, und dem es wohlgefallen hat, in der feierlichsten und eindringlichsten Weise zu sagen, und zwar zu einem Lehrer Israels, dass wenn ein Mensch nicht aus Wasser und Geist geboren wird, er das Reich Gottes nicht sehen kann. 11Joh 3,3-5 Er kann keine Vorstellung davon haben, keine richtige oder angemessene Erkenntnis darüber, geschweige denn kann er erwarten, in Ewigkeit glücklich mit Gott zusammen zu sein. Und deshalb, so wie unser Herr zu diesem Mann gesprochen hat, gestattet mir, auch euch gegenüber diese Bemerkung zu machen. Mit unbußfertigen Sündern meine ich nicht nur die Deisten. Ich meine nicht nur die gottlosen Spötter, die sich schon dahin bewegt haben, wo die Spötter sitzen, 12Ps 1,1 noch die offen Liederlichen, Ehebrecher, Unzüchtigen oder die sich selbst mit Männern schänden, alle diese haben Verdammnis sozusagen auf ihre Stirn geschrieben mit einem Sonnenstrahl; und sie sollten wissen, dass Gott sich nicht spotten lässt, 13Gal 6,7 denn wenn sie sterben, ohne über diese Dinge Buße zu tun, zeigen sie, dass sie sich in einem unbußfertigen Zustand befinden und an einem Ort dahingehen werden; und wenn jemand von euch auf dem Weg dahin ist, dann möge Gott euch heute Abend aufhalten. Aber, meine Brüder, ich werde näherkommen: Es gibt mehr Ungläubige innerhalb der Kirche als außerhalb davon. Lasst mich das noch einmal wiederholen, ihr könnt dann daran denken, wenn ich über die mächtigen Wasser dahintreibe: Es gibt mehr Ungläubige innerhalb der Kirche als außerhalb davon. Nicht alle, die Bekenner sind, sind auch Besitzer; nicht alle haben die verheißene Sache, nicht alle sind Teilhaber an der Verheißung, die davon reden und Gott preisen, dass sie den verheißenen Erlöser haben. Ich mag ihn in meinem Mund haben und auf meiner Zunge, ohne die verheißene Sache oder die gesegnete Verheißung in meinem Herzen zu haben. Ein moralischer Mensch, der untadelig nach dem Gesetz wandeln kann, jemand, der denkt, er sei gerecht, weil er es nicht besser weiß; nun jemand, der keine andere Religion hat, als zu einem bestimmten Ort zum Gottesdienst zu gehen, wertschätzt sich selbst dafür, ein Kirchenmitglied oder ein Nonkonformist zu sein, er ist so ein religiöser Eiferer, dass er denkt, dass niemand außer ihm selbst in den Himmel kommen wird. Diese werden, egal wie sicher sie sich fühlen mögen, schon bald dahingehen an einen Ort, ob sie es glauben oder nicht. Sie werden bald zu einer Anklagebank bestellt werden und die tönende Stimme des Erzengels: „Steht auf, ihr Toten, und kommt zum Gericht!“ 141Thess 4,16 wird der große Weckruf sein. Die Toten werden auferstehen und vor dem Sohn Gottes erscheinen, als dem Richter der ganzen Menschheit. Diese würden sich gerne entschuldigen lassen, genauso wie die Ungläubigen, und so wie sie einst sagten: „Ich bitte dich, entschuldige mich“ 15Lk 14,18 davon zu Christus zu kommen, so werden sie auch versuchen, davon entschuldigt zu werden, vor ihm zu erscheinen und von ihm verdammt zu werden, aber sie müssen alle an einen Ort gehen. Und weil sie Gott nicht kennen und mit dem göttlichen Leben nicht vertraut sind, müssen sie das schreckliche Urteil hören und erleiden: „Weicht von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist für den Teufel und seine Engel!“ 16Mt 25,41 Das ist ein Gedanke, der unser Blut gefrieren lassen würde, wenn unsere Herzen richtig erweckt wären, meine lieben Zuhörer. An einem Ort zu sein, wo Gott abwesend ist, an einem Ort, wo verdammte Seelen für immer Gott und sich gegenseitig verfluchen werden. Lasst mich ein wenig darüber nachdenken, und möge es von Gott gesegnet werden, um eine sorglose Person aufzuwecken, die vielleicht heute Abend spazieren geht und nur hereinkommt, um zu hören, was der Schwätzer wohl sagen will, 17Apg 17,18 bevor er sich von den Leuten verabschiedet. Als ich euch von meinem Arbeitszimmer aus sah, wie ihr euch drängtet, hereinzukommen, als ich sah, wie ihr euch nach vorne drängtet, einige, um hoch zum Tabernakel zu gehen oder in die Sakristei, einige, um den Versammlungsbereich zu füllen, und andere, um an der Tür zu stehen, da dachte ich: „Wie soll ich mich heute Abend verhalten? Soll ich mich bemühen, diese Leute zum Weinen und Heulen zu bringen, sollte ich nicht ernsthaft so viele kostbare Seelen auf praktische Weise direkt ansprechen, um sie nicht zum Prediger, sondern zum Herrn des Predigers zu bringen?“ Denn weil wir den Schrecken des Herrn kennen, überreden wir die Menschen, 182Kor 5,11 damit alle diesem kommenden Zorn entfliehen. Oh, was für ein schrecklicher Gedanke! Und doch ist es eine unumstößliche Wahrheit: Alle auf der Erde müssen an einen Ort gehen. Wenn wir hier wie die Teufel leben und selbst welche sind, dann müssen wir dahingehen und mit ihnen für immer zusammen sein, wenn wir sterben! Ein gesegneter Diener Christi in Schottland erzählte mir eine Geschichte, von der er wusste, dass sie wahr war, von einer schrecklichen Antwort, die eine arme Kreatur auf ihrem Sterbebett gab, weil die Schotten vielleicht die in religiösen Dingen am besten gebildeten Menschen überhaupt sind, außer vielleicht noch den Menschen aus Neuengland. Als diese Person im Sterben lag und von einem Geistlichen gefragt wurde: „Wohin hoffst du zu gehen, wenn du stirbst?“, sagte sie: „Es ist mir egal, wohin ich gehe.“ „Was“, sagt er, „kümmert es dich nicht, ob du in den Himmel oder in die Hölle gehst?“ „Nein“ sagt sie, „es ist mir egal, wohin ich gehe.“ „Aber“, sagt er „wenn du die Wahl hättest, wohin würdest du gehen?“ Da sagt sie: „In die Hölle.“ Darauf antwortet er: „Bist du verrückt, du willst in die Hölle gehen?“ „Ja“, sagt sie, „das will ich“. „Warum das?“ sagt er. „Nun“, sagt sie, „alle meine Verwandten sind dort.“ Der liebe Diener Christi predigte nach ihrem Tod, erzählte die Geschichte und fragte, ob es nicht schockierend sei, eine Frau sagen zu hören, sie möchte in die Hölle gehen, weil ihre Verwandten dort sind. Nun, ihr, die ihr unbußfertig seid, ihr müsst in die Hölle gehen, weil alle eure unbußfertigen Verwandten dort sind; euer Vater, der Teufel, ist dort; alle verdammten Engel und verdammten Geister sind dort; eure Brüder und Schwestern sind dort, so wie sie auf einem Weg hier gegangen sind, so müssen sie von Jesus Christus an einen Ort verbannt sein im Jenseits für immer.

   Aber ich muss dieses düstere Thema beenden; es ist zu melancholisch, um lange dabei zu verweilen. Gepriesen sei Gott, ich habe einen anderen Ort, von dem ich euch erzählen kann, und eine andere Art von Leuten, über die ich sprechen kann, die alle, so wie die von denen ich gesprochen habe, an einen Ort gehen werden. Vielleicht sind hier einige von ihnen; gesegnet ist es, in Gott zu leben. Wenn der Tod die Augen schließt, wird eine tatsächliche Trennung vollzogen und anstatt zu hören: „Weicht von mir, ihr Verfluchten“, werden sie hören: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt.“ 19Mt 25,34 Unser gesegneter Herr – und wer spricht wie er? – gibt uns eine erschütternde Darstellung von Dives und Lazarus: Der eine lebte in Saus und Braus und mästete sich bis zum Grab, ohne auch nur einmal im Jahr einen Fasttag zu halten und der andere verhungerte vor seiner Haustür, wurde vielleicht nur in einem Graben begraben, ohne ein Grab von der Gemeinde zu erhalten, während dieser gemeine Schuft, der ebenfalls starb, eine pompöse Beerdigung bekam; dort wurde er zu einem Ort getragen; vielleicht wurde er auch aufgebahrt, mit zwei stummen Dienern am Sarg, während verfluchte Teufel an seiner Seele nagten. „Er schlug seine Augen auf in Qualen.“ 20Lk 16,23 Horcht! Hört ihr ihn nicht? Ich werde kurz innehalten, damit ihr lauschen könnt. Ihr Gottlosen, hört ihr nicht euren Bruder rufen? Er wollte nicht beten, solange er lebte, aber die Hölle bringt ihn zum Beten, nicht zu Gott, sondern zu Abraham: „Vater Abraham,“ sagt er, „sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle“, und ich glaube ernsthaft, dass die Verdammten eine Sicht auf die haben werden, die im Himmel sind, um sie wissen zu lassen, was für einen Himmel, was für einen Christus und was für eine Herrlichkeit sie verloren haben. Gott gebe, dass dies auf keinen von euch zutreffen möge: das wird es nicht, wenn ihr zu denen gehört, die von oben geboren worden sind, die zu einer neuen Schöpfung in Christus gemacht worden sind; weil mit von oben neu geboren, damit meine ich dass man ein Prinzip eines neuen Lebens erhalten hat, in eure Herzen gelegt durch den Heiligen Geist, das euch verändert, das euch neue Gedanken, neue Worte, neue Taten und neue Perspektiven gibt, sodass das Alte vergeht und alles in unseren Seelen neu wird. Ich weiß sehr gut, dass die Lehre vom göttlichen Einfluss über den Haufen geworfen wird. Ich habe euch oft erzählt, und ich sage es euch noch einmal, jetzt, wo ich mich gerade für eine Weile in ein anderes Klima begeben werde, dass der große Streit, den unser Herr Jesus Christus mit England hat, und ich rede das nicht als ein Prophet, oder als der Sohn eines Propheten, sondern so wahr Gott der Herr lebt, in dessen Namen ich spreche und zu dessen Ehre ich ins Ausland gehe und in dessen Furcht ich es wünsche, zu sterben, wenn der Geist Gottes und sein göttlicher Einfluss nicht mehr geachtet werden in diesem Land als bisher, dann Wehe, wehe, wehe denen, die ihn verachten, sie werden einer nach dem anderen, an einem Tag oder dem anderen sich wundern und umkommen. Gepriesen sei Gott, es gibt ein paar wenige Glückliche, die ihn beachten und ich bin im Tiefsten meiner Seele überzeugt, dass ihre Zahl in England, Schottland, Irland, Wales und Amerika immer noch deutlich zunimmt, und darum bete ich auch. Und trotzdem, ungeachtet dessen, dass das Wort Gottes sich verbreitet und verherrlicht wird, wie viele gibt es heutzutage, die willentlich dem Geist Gottes trotzen, die die Lehre des göttlichen Einflusses des Geistes hassen. Wenn es in ihrer Macht stünde, dann würden die Straßen überlaufen mit dem Blut sowohl von Kirchgängern als auch von Abweichlern, aber wir leben unter den Prinzipien der Revolution, und sind gesegnet mit der Toleranz, welche das Bollwerk der Freiheit des Gewissens ist; aber ob die Welt hören will oder nicht, gepriesen sei Gott, wenn wir von der neuen Geburt sprechen, dann sprechen wir nicht von einer clever ausgedachten Geschichte; sondern was unsere Augen gesehen haben, unsere Hände gehalten haben, und was unsere Herzen gefühlt haben vom Wort des Lebens, das erklären wir gegenüber euch. Als ich 16 Jahre alt war, begann ich, zweimal die Woche für insgesamt 36 Stunden zu fasten, ich betete mehrmals am Tag, empfing das Abendmahl an jedem Sonntag und fastete mich fast zu Tode während der 40 Tage der Fastenzeit, währen der ich es mir zur Pflicht machte, niemals weniger als dreimal täglich zur öffentlichen Anbetung zu gehen, zusätzlich zu meinem privaten Gebeten siebenmal am Tag; und trotzdem wusste ich nicht mehr, dass ich in Gott wiedergeboren werden musste, als eine neue Schöpfung in Christus Jesus geboren werden musste, als wenn ich nie geboren worden wäre. Ich wollte Schauspieler werden, aber dann bekam ich Gewissensbisse. Ich fragte ständig die Leute: „Bitte, kann ich ein Schauspieler sein und trotzdem zum Abendmahl gehen und ein Christ sein?“ „Oh“, sagen sie, „soundso, der ein Schauspieler ist, geht zum Abendmahl;“ obwohl nach dem Gesetz des Landes kein Schauspieler das Abendmahl empfangen sollte, außer wenn sie den Beweis erbringen, dass sie Busse tun; das war die Lehre von Erzbischof Tillotson 21John Tillotson (1630–1694), englischer anglikanischer Theologe und von 1691 bis 1694 Erzbischof von Canterbury. „Nun dann, wenn das der Fall ist“, sagte ich, „dann werde ich Schauspieler“, und ich dachte, meine Rolle für den Teufel so gut zu spielen wie jeder andere, aber gepriesen sei Gott, er hielt mich auf meiner Reise auf. Ich muss Zeugnis ablegen für meinen alten Freund, Mr. Charles Wesley, er gab mir ein Buch in die Hand mit dem Titel: „Das Leben Gottes in der Seele des Menschen“, durch das Gott mir zeigte, dass ich wiedergeboren sein muss oder verdammt sein muss. Ich weiß den Ort, es mag vielleicht abergläubisch sein, aber immer, wenn ich nach Oxford komme, dann kann ich nicht anders, als zu diesem Ort zu eilen, an dem Jesus Christus als erstes sich selbst mir zeigte, und mir die neue Geburt gab. Wie ein guter Schriftsteller es sagt, ein Mann mag zur Kirche gehen, seine Gebete aufsagen, das Abendmahl empfangen und trotzdem, meine Brüder, kein Christ sein. Wie pochte mein Herz, wie zog sich mein Herz zusammen, wie ein armer Mann, der sich davor fürchtet, in seine Buchhaltung zu sehen, um nicht feststellen zu müssen, dass er bankrott ist; und dennoch, soll ich dieses Buch verbrennen, soll ich es in die Ecke werfen, soll ich es weglegen oder soll ich mich darin vertiefen? Ich tat es und mit dem Buch in der Hand rief ich den Gott von Himmel und Erde direkt so an: „Herr, wenn ich kein Christ bin, wenn ich kein richtiger bin, Gott, um Jesus Christus willen, zeige mir, was Christentum ist, damit ich nicht am Ende verdammt werde.“ Ich las ein wenig weiter und der Betrug wurde aufgedeckt: „Oh“, sagt der Autor, „diejenigen, welche irgendetwas über Religion wissen, wissen, dass es eine lebendige Vereinigung mit dem Sohn Gottes ist, Christus, gebildet im Herzen.“ O was für ein Lichtstrahl des göttlichen Lebens traf da auf meine arme Seele; ich stürzte mich darauf, an alle meine Brüder zu schreiben, an meine Schwestern, sprach mit den Studenten, wenn sie in mein Zimmer kamen, stellte alle triviale Konversation ab, räumte alle trivialen Bücher weg, und war entschlossen, zu studieren, ein Heiliger zu sein, und dann ein Gelehrter zu sein, und von diesem Moment an hat Gott sein gesegnetes Werk in meiner Seele weiter durchgeführt, und da ich jetzt 55 Jahre alt bin, auf die sechzig zugehe, ich sage euch, meine Brüder, besonders, weil ich euch in wenigen Tagen verlassen werde, dass ich mehr und mehr davon überzeugt bin, dass das die Wahrheit Gottes ist, und ohne das könnt ihr niemals durch Jesus Christus gerettet werden; all diese von Gott Geborenen, ob wenn jung oder alt, ob in der sechsten, neunten oder elften Stunde, wie auch immer sie voneinander getrennt sind, durch die Gnade Gottes werden sie alle an einen Ort gehen.

   Wenn ihr fragt, wo dieser Ort ist, dann antworte ich: „Gepriesen sei Gott, im Himmel.“ Wenn ihr fragt, zu wem sie gehen werden, dann antworte ich: „Zu den Geistern der vollkommenen Gerechten; 22Heb 12,23 und was das Beste von allem sein wird, zu Jesus Christus, dem himmlischen Erbe.“ Wenn wir nicht zu ihm gehen würden, was würde der Himmel sein? Wenn wir ihn nicht sehen würden, was würde die Herrlichkeit sein? Ich weiß, dass einige Leute denken, dass der Himmel ein schöner Ort ist, so ist es auch. Aber was macht ihn zu einem solchen, wenn nicht die Gegenwart und Freude des Gottes der Herrlichkeit? Ich würde eher tausend Tode sterben, als meine Zuneigung zu opfern. Nachdem ich mich von all meinen Freunden vor einigen Jahren in Deptford verabschiedet hatte, brach ich in Tränen aus und sagte: „Herr, ich würde all das nicht erleiden, was ich für meine Freunde fühle, außer für dich“, kehrte dann zu meinen Freunden zurück und sagte: „Jetzt ist die Bitterkeit des Todes gewichen; 231Sam 15,32 ich gehe, um hingerichtet zu werden, Gottes Wille geschehe.“ Gepriesen sei Gott, nach dem Tod wird es keine Trennungen mehr geben; wir werden alle an einen Ort gehen. Prediger, die nicht auf einer Kanzel predigen konnten, und Christen, die sich nicht miteinander einigen konnten, gepriesen sei Gott, werden einer nach dem anderen in einen Himmel gehen; ob sie in dieser Welt zu einem Ort gehen oder nicht, spielt keine Rolle. Der eine sagt: „Ich gehe zu den Abweichlern,“ der andere sagt: „Ich gehe zur Kirche“, und sehr viele Christen beurteilen andere als Ungläubige, weil sie nicht derselben Meinung sind. Eine gute Frau kam vor einigen Jahren zu mir vor einigen, als ich gerade mit dem Predigen fertig war – manche Leute lieben es, impertinent zu sein – und sie sagte: „Was denken Sie über Cotton Mather 24Dr. Cotton Mather (1663–1728), puritanischer Theologe und Autor aus Boston. und noch einen anderen Prediger? Der eine sagte, ich solle das Abendmahl empfangen, bevor mein Bekenntnis abgelegt wird, der andere sagte, das solle ich nicht tun.“ Ich sagte: „Gute Frau, ich glaube, dass die Engel sich gefreut haben, sie beide in den Himmel zu tragen und dass sie seitdem nicht mehr darüber gesprochen haben, sie werden über diese Dinge nicht mehr sprechen.“ Wir haben nur einen Vater und einen Heiligen Geist; wir haben in einer Gemeinschaft des Glaubens gelebt; gepriesen sei der lebendige Gott, schon bald werden die Engel kommen und die Auserwählten von Osten, Westen, Norden und Süden rufen, um zu Hause zu sein beim Herrn. 25Mt 24,31

   Wenn das zutrifft, meine Brüder, dann wird uns das in all den Veränderungen und Trennungen dieses sterblichen Lebens unterstützen. Da ich eine öffentliche Rolle eingenommen habe, nehme ich an, dass ich es wagen darf zu sagen, dass niemand so oft von Gottes Volk Abschied nehmen musste wie ich: Ich werde jetzt zum dreizehnten Mal über das Wasser reisen. Ja, ich finde, dass es wahr ist, was von St. Paulus gesagt wurde: Er konnte ein Auspeitschen ertragen, aber kein Weinen. 26Wortspiel mit engl. Whipping («Peitschen») und Weeping («Weinen»)Was tut ihr da?“, sagt er, „dass ihr weint und mir das Herz brecht?27Apg 21,13 Er sagte nie: dass ihr mich peitscht und mir den Rücken brecht“; nein, nein. Alle kommen an einen Ort: Was für ein gesegneter Zustand! Seinen geistlichen Vater zu sehen, seine geistlichen Kinder zu sehen und sie sagen zu hören: „Zu der und der Zeit hat Gott mich durch deinen Dienst zu sich gezogen!“ Welch ein Segen wird es sein, sie sagen zu hören: „Zu der und der Zeit hat Gott mich sich selbst gezeugt durch deinen Dienst!“ Was für ein Segen wird es sein, sie sagen zu hören: „Gepriesen sei Gott, außer dem Geist verdanke ich es diesem Diener von dir hier, dass ich hierhergekommen bin!“ Und mit welch einer Verzückung wird dieser Diener sagen: „Siehe, ich und die Kinder, die du mir gegeben hast!“ 28Jes 8,18 Mit welch heiligem Triumph werden sie dann alle ihre Kronen zu den Füßen des Lammes niederlegen! 29Offb 4,10 Mit was für einer Freude werden sie ausrufen: „Gnade, Gnade!“, wenn der Schlussstein herausgebracht werden wird. 30Sach 4,7 Und wie werden sie dann darin wetteifern, die erlösende Liebe und die reiche, geschenkte Gnade in den höchsten Tönen zu loben! Wisst ihr, der Unterschied hier ist, dass wir in verschiedenen Stimmlagen singen: Manche singen Sopran, manche Tenor und manche Bass. Was dann? Jede Stimme unterstützt die andere; würden alle gleich singen, wäre die Harmonie nicht vollständig. Egal wie schockierend es in dieser Welt auch zugehen mag, all die Unterschiede, die es unter Gottes Volk gegeben hat, sie werden uns in einem zukünftigen Zustand nur umso besser singen und uns vereinigen lassen.

   Nun, meine lieben Zuhörer, ich hoffe, dass ihr inzwischen angefangen habt, euch zu fragen: „An welchen Ort werde ich gehen?“ Einmal angenommen, ihr denkt so darüber nach: Ich habe heute Abend gehört, dass alle unbußfertigen Menschen in die Hölle dahingehen und unter den Verdammten wohnen; ich habe gehört, dass alle, die von Neuem aus Gott geboren sind und alle, die an Jesus Christus glauben, ob Jude oder Heide, ob Sklave oder Freier, 31Gal 3,28 dass sie alle dahingehen, um mit Gott, den Engeln und den Geistern der vollendeten Gerechten zu wohnen. Ich habe den Prediger sagen hören, auch wenn er manchmal abschweift, dass wir alle an einen Ort gehen, nämlich das Grab. Ich eile dorthin, der Herbst ist gekommen, das Fallen der Blätter naht heran, ein plötzlicher Stoß, verursacht durch einen plötzlichen Wetterwechsel oder eine Überlastung, versursacht durch zu opulentes Schwelgen an den Früchten von Gottes Großzügigkeit oder eine weitere Krankheit könnte mich in mein ewiges Zuhause bringen. Ich höre davon, dass soundso gestorben ist und soundso auch, vielleicht an einem Schlaganfall, vielleicht an einer Lähmung. Ich bin gesund und munter und stark, ich rühme mich meiner Stärke, aber wer weiß, ob mich das nicht nur zur Beute macht für ein Fieber; jemand, der schwächlicher ist als ich, würde es vielleicht besser überstehen. Wenn ich heute Nacht hinweggenommen werden sollte, werde ich dann den Weg zur Hölle gehen oder den Weg zum Himmel? Hadrian, der Kaiser, rief einmal aus: „Meine zitternde, liebe scheidende Seele, wohin gehst du?“ Das waren seine Worte. Möchtet ihr nicht einen Kaiser predigen hören, auf seinem Sterbebett, wenn die silbernen Schnüre des Lebens zerreißen? 32Pred 12,6 Gewissen, Gewissen, Gewissen, du Leuchte des Herrn, 33Spr 20,27 möge der Herr dir helfen, für einen armen Sünder Licht in die Erkenntnis über sich selbst zu bringen. Ich beschwöre dich im Namen unseres Herrn Jesus Christus, im Namen des Retters, in dessen Namen und in dessen Kraft ich jetzt, darauf vertraue ich, predige: O Gewissen! Du treuer Überwacher, lass jeden sein eigenes hören. Kommt, wenn das Gewissen sprechen würde, was würde es sagen? Nun, dass ihr, wenn ihr nicht mit euch selbst und Christus vertraut seid, verloren seid für immer. Die Amerikaner sind das gastfreundlichste Volk unter dem Himmel; sie lieben es, Fremde aufzunehmen, die so freundlich versorgt werden können, ohne in einem Gasthaus absteigen zu müssen. Ich habe mich immer bemüht, ein Wort für Christus fallenzulassen, wenn ich in ihre Häuser kam. Ich erinnere mich, dass ich mit Mr. Steward und ein paar anderen guten Freunden zusammen war; als ich zum ersten Mal in das Haus kam, fing ich an, von Christus zu sprechen. Der Hausherr sagte: „Sir, ich glaube, Sie haben recht; ich kann keine Seite in meiner Bibel aufschlagen, ohne zu erkennen, dass ich kein Christ bin.“ Gott gebe, dass alle hier auf die gleiche Seite achtgeben! Vielleicht sagen viele hier: „Sir, ich verachte Ihre Worte.“ Nun tue ich das nicht? Sagt Gott euch nicht selbst, dass das nicht ausreicht? Du bist ein moralischer Mann, aber du liebst Gott nicht. Du betrinkst dich nicht, weil dir das Kopfweh macht. Du begehst keine Unzucht und Ehebruch, wie es unter den Großen ganz üblich ist, und deswegen denken sie, dass Gott sie nicht dafür bestrafen wird. Vielleicht bist du kein Unzüchtiger, damit du das nicht im Büßergewand beichten müsstest, obwohl wir heutzutage keine Zuchtordnung unter uns haben. Ihr tut diese Dinge nicht, aus Angst, ein uneheliches Kind versorgen zu müssen oder dabei erwischt zu werden. Aber entspringt euer Gehorsam aus der Liebe zu Gott, zu Christus? Wenn nicht, möge Gott euch von eurer elenden Lage überzeugen, bevor ihr von hier weggeht.

   Aber, gepriesen sei Gott, es gibt viele liebe Seelen hier, mit denen ich hoffe, bald an einem Ort und für alle Ewigkeit zu leben. Willkommen, meine Mitchristen; willkommen, meine lieben Brüder und Freunde; willkommen, ihr Kinder eines Vaters, geboren aus einem Geist, die die Früchte des Heiligen Geistes in ihrer Konversation hervorbringen. Noch eine kleine Weile, und wir müssen uns trennen; ob ich sterbe, oder ob ihr sterbt, gepriesen sei Gott, ein Ort wird uns alle für immer vereinen; in jener gesegneten Welt werden wir uns für immer wiedersehen und die geschenkte Gnade preisen. Meine Brüder, dann werden wir für immer beim Herrn sein, für immer eins mit Christus. Und wenn das zutrifft, dann lasst uns einander mit diesen Dingen trösten;  341Thess 4,17-18 und wenn wir alle an einen Ort gehen, dann bewahre uns Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit davor, uns auf dem Weg dahin zu zanken. Sagt nicht: „Ich bin von der Foundery 35Versammlungsort der methodistischen Gemeinde in London, die von John Wesley gegründet wurde, in einer ehemaligen Gießerei (engl. „Foundery“)“, sagt nicht: „Ich bin vom Tabernakel 36(engl. „Stiftshütte“), Name des Kirchengebäudes von Whitefields Methodistengemeinde in London, Moorfields;“ verbringt eure Zeit nicht damit, gegen John Wesley und George Whitefield zu reden; sagt nicht: „Du gehst zum Tabernakel, ich gehe zur Chapel 37(engl. „Kapelle“), Name des von Whitefield gebauten Kirchengebäudes in London, Tottenham Court Road;“ nein, sprecht nicht von Paulus und Kephas. 381Kor 1,12 Gott vereinige uns mehr und mehr mit Jesus Christus; und wenn ihr auf dem Weg zum Himmel seid, dann helfe euch Gott, ein Stück weiter zu reisen, als wir es tun. Meine Brüder, lasst uns mit aller Kraft dem vorgesteckten Ziel nachjagen, dem Siegespreis unserer himmlischen Berufung in Christus Jesus. 39Phil 3,14 Oh, dass der Gott der Liebe uns mit solchem Frieden und solcher Freude erfüllen möge, dass jeder Sturm, jede Prüfung, jede Versuchung, der wir begegnen, uns zum Guten dient; alle unsere Bedrängnisse, alle unsere Versuchungen dienen dazu, den Himmel noch begehrenswerter und die Erde noch abscheulicher zu machen.

   Wenn das auf einige von euch nicht zutrifft, dann bekehre Gott euch heute Abend. Helft mir, meine lieben Zuhörer vom Tabernakel und aus London, helft mir, helft mir, helft mir um Jesus Christus willen. Ihr wart einst selbst auf dem Weg zur Hölle; um Gottes willen strengt euch an, diejenigen aufzuhalten, die nach dorthin unterwegs sind. Betet für eure unbekehrten Freunde. Junge Leute, junge Leute, die leichtfertig zur Hölle gehen, möge Gott euch heute Abend aufhalten. Wenn ich ernsthaft mit euch reden würde, dann würdet ihr vielleicht reagieren, so wie es ein junger Herr tat, als ich ihn bat, nicht zu fluchen. Er drehte sich zu mir um und sagte: „Doktor“ (damals war ich genauso wenig ein Doktor wie heute, und außerdem noch jung), „es ist ziemlich hart, dass Sie einen Mann nicht auf seine eigene Weise zur Hölle gehen lassen.“ Wenn irgendwelche von euch von seiner Sorte sind, Gott gebe, dass er euch nicht auf eure eigene Weise zur Hölle gehen lassen wird, sondern zum Himmel auf Gottes Weise, auf die Weise von Christus. Ich bin sicher, dass ihr nicht glücklich seid; der Teufel hatte niemals ein glückliches Kind in der Welt. Oh, dass Gott eure Füße heute Nacht auf den Weg des Friedens leiten 40Lk 1,79 möge. Oh, dass es euch so gehen möge wie einem jungen Mann vor einiger Zeit: Ich erinnere mich, ich hatte damals etwa zweihundert Gebetszettel. 41Hintergrund: In vielen engl. Gemeinden im 18. Jh. (anglikanisch wie nonkonformistische/puritanische Kreise) war es üblich, Zettel einzureichen mit der Bitte, für eine bestimmte Person zu beten, die „unter Überführung der Sünde“ steht, oder dass jemand geistlich erweckt und weitergeführt werden möge, oder um seine Bußfertigkeit oder geistliche Not öffentlich zu bekennen. Diese „Gebetszettel“ wurden entweder vorne in der Gemeinde verlesen, an Aushangtafeln öffentlich ausgehängt oder den Predigern übergeben, damit sie die betreffenden Personen besuchen oder für sie beten. Er sagte zu mir: „Ich kam heute Morgen um sechs Uhr nach Moorfields, um meinen Schatz zu treffen, aber, gepriesen sei Gott, ich traf Jesus Christus, meinen Schatz.“ Gott gebe, dass ihr es heute Abend so macht, junge Männer. Wenn ihr weiter unterwegs zu diesem Ort gewesen seid, dann möge es euch so ergehen wie dem guten Mr. Crane, dem Verwalter des Waisenhauses. Er ging einmal aus, um ein Theaterstück im Drury Lane zu sehen, aber weil es voll war, ging er nach Covent Garden, und da war es so voll, dass er nicht einmal den Kopf hineinstecken konnte. „Nun“, sagt er, er hat es mir selbst erzählt, und er ist ein wahrer Israelit, 42Joh 1,47 vielleicht einer der ehrlichsten Menschen auf der Welt, „dann gehe ich und höre Dr. Whitefield.“ Dort erreichte Gott sein Herz, und jetzt strahlt er wie ein Licht. Gestern oder vorgestern erhielt ich Briefe aus Georgia, die mein Herz vor Freude hüpfen ließen. Der ehrliche Mr. Wright, dieser kluge und unermüdliche Mann, und Mr. Crane haben so gut weitergemacht und haben das Waisenhaus so gut geführt, dass alle Briefe aus allen Teilen mir Freude bereiten. „Gott gebe“, sagt einer, „dass Sie zehntausend Menschen wie Mr. Wright und Mr. Crane senden könnten; Gott gebe, Sie könnten Tausende wie sie zu uns herübersenden und hundert Prediger, um Christus unter uns zu predigen.“ Oh, dass die Neugier heute Abend für einige von euch zum Guten gelenkt werde! Aber ich habe mich vergessen, und könnt ihr mir verdenken, wenn ich euch ein wenig länger aufhalte, obwohl ich mich davor fürchte, mich für meine Reise untauglich zu machen, wenn ich mich überanstrenge, bevor ich gehe. Morgen werde ich sehen, wo ich schlafen werde. Ich habe vor, so Gott will, morgen hier ein Abendmahl zu halten und ein weiteres am nächsten Sonntagmorgen. Ich habe vor, so Gott will, euch am Sonntagabend ein Abschiedswort zu geben und euch in der Woche über meinen endgültigen Abschied zu informieren, weil ich noch ein oder zwei Tage benötige, um meine privaten Angelegenheiten zu regeln und bereit zu sein, dorthin zu gehen, wohin mein Gott mich ruft.

   Ich werde, so denke ich, zu etwas aufgerufen, was ich, wenn möglich, gerne vermieden hätte. Weil dieser Ort renoviert worden ist, ihr seht, dass ist hier neu gemacht worden, was teuer ist, und ich möchte gerne alles geregelt hinterlassen, bevor ich gehe, deswegen muss eine Kollekte gemacht werden, um die Kosten zu decken. Die Welt denkt, dass ich sehr reich bin; neulich war ein Mann so überzeugt von meinem Reichtum, dass er mir eine Nachricht schickte, wenn ich nicht dreißig Pfund an einem bestimmten Ort hinterlegen würde, dann würde ich umgebracht werden, so sicher, wie ich am Leben bin. Aber, gepriesen sei Gott, ich bin noch am Leben. Ich fürchte mich nicht davor, plötzlich zu sterben, oder von einem Dolch durchbohrt oder mit einer Pistole erschossen zu werden, um einen Durchgang für meine Seele zu schaffen, um zu Gott zu fliehen. Vielleicht denkt ihr, dass ich sehr viel verdiene, wenn ich hier predige. Und jetzt, da ich gehe, was denkt ihr, wie hoch mein festgelegtes Gehalt für das Predigen im Tabernakel ist? Ich bekomme nicht mehr von diesem Ort als hundert Pfund im Jahr; und ich habe erst letzten Abend gefragt, wie der Stand ist und anstatt auch nur einen einzigen Sixpence zu haben, wurde mir gesagt, es seien fünfzig Pfund Rückstände. „Nun“, sagte ich, „so undankbar es auch für mich sein mag, ich werde heute Abend eine Kollekte machen, damit alle frei entlassen werden können; und wenn andere daraus einen Vorteil ziehen, möge Gott es zu einem Segen machen.“ Es gibt an diesem Ort keine sechs Leute, von denen ich von Januar bis August auch nur den Wert einer Guinee erhalten habe; und ich habe von all diesen Gottesdiensten auch keine einzige Guinee zur Deckung der Kosten meiner Reise erhalten. Meine Brüder, wenn ich in den Himmel komme, dann werdet ihr wissen, mit was für einem Geist ich euch gedient habe; ihr werdet dann wissen, dass alles, was ich getan habe, ist, Orte für andere zu bauen, von denen ich hoffe, dass Gott euch und euren Kindern dort begegnen wird, wenn ich tot und begraben bin. Oh, dass wir uns an einem Ort wiedersehen werden, wenn Gott mich von hier ruft! Der Herr belebe euch, der Herr stärke euch, der Herr Jesus Christus sei mit euch und gewähre, dass wir für immer dort sein mögen, wo es keinen Kummer mehr geben wird, sondern wir werden mit Gott zusammen und miteinander wohnen für immer. Ja, komm Herr Jesus. Amen. 43Offb 22,20

Fussnoten

  • 1
    Mt 10,22
  • 2
    Joh 7,46
  • 3
    Pred 6,1-2
  • 4
    Lk 16,19
  • 5
    1Mo 3,19
  • 6
    Röm 5,12
  • 7
    Röm 5,14
  • 8
    1Joh 1,7
  • 9
    Heb 9,27
  • 10
  • 11
    Joh 3,3-5
  • 12
    Ps 1,1
  • 13
    Gal 6,7
  • 14
    1Thess 4,16
  • 15
    Lk 14,18
  • 16
    Mt 25,41
  • 17
    Apg 17,18
  • 18
    2Kor 5,11
  • 19
    Mt 25,34
  • 20
    Lk 16,23
  • 21
    John Tillotson (1630–1694), englischer anglikanischer Theologe und von 1691 bis 1694 Erzbischof von Canterbury
  • 22
    Heb 12,23
  • 23
    1Sam 15,32
  • 24
    Dr. Cotton Mather (1663–1728), puritanischer Theologe und Autor aus Boston.
  • 25
    Mt 24,31
  • 26
    Wortspiel mit engl. Whipping («Peitschen») und Weeping («Weinen»)
  • 27
    Apg 21,13
  • 28
    Jes 8,18
  • 29
    Offb 4,10
  • 30
    Sach 4,7
  • 31
    Gal 3,28
  • 32
    Pred 12,6
  • 33
    Spr 20,27
  • 34
    1Thess 4,17-18
  • 35
    Versammlungsort der methodistischen Gemeinde in London, die von John Wesley gegründet wurde, in einer ehemaligen Gießerei (engl. „Foundery“)
  • 36
    (engl. „Stiftshütte“), Name des Kirchengebäudes von Whitefields Methodistengemeinde in London, Moorfields
  • 37
    (engl. „Kapelle“), Name des von Whitefield gebauten Kirchengebäudes in London, Tottenham Court Road
  • 38
    1Kor 1,12
  • 39
    Phil 3,14
  • 40
    Lk 1,79
  • 41
    Hintergrund: In vielen engl. Gemeinden im 18. Jh. (anglikanisch wie nonkonformistische/puritanische Kreise) war es üblich, Zettel einzureichen mit der Bitte, für eine bestimmte Person zu beten, die „unter Überführung der Sünde“ steht, oder dass jemand geistlich erweckt und weitergeführt werden möge, oder um seine Bußfertigkeit oder geistliche Not öffentlich zu bekennen. Diese „Gebetszettel“ wurden entweder vorne in der Gemeinde verlesen, an Aushangtafeln öffentlich ausgehängt oder den Predigern übergeben, damit sie die betreffenden Personen besuchen oder für sie beten.
  • 42
    Joh 1,47
  • 43
    Offb 22,20