Jakobs Leiter

Eine Abschiedspredigt

1. Mose 28,12-15: „Und er hatte einen Traum, und siehe, eine Leiter stand auf der Erde, und ihre Spitze reichte bis zum Himmel; und siehe, die Engel Gottes stiegen auf und nieder auf ihr. Und siehe, der Herr stand oben darauf und sprach: Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abrahams und der Gott Isaaks: das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. Und dein Same soll wie der Staub der Erde werden, und du sollst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten, nach Norden und nach Süden; und in dir und in deinem Samen sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Und siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst, und dich wieder in dieses Land bringen; denn ich will dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich dir gesagt habe.“

Der weise Mann beobachtet, dass wo viele Träume sind, auch viele Nichtigkeiten sind; 1Pred 5,7 oft sind sie die Auswirkungen einer besonderen körperlichen Störung oder sind auf irgendeine Beunruhigung des Geistes zurückzuführen. Diejenigen, deren Nervensystem schon seit langem angegriffen ist, die schwere persönliche Prüfungen durchgemacht haben oder von außergewöhnlichen Ereignissen hochgradig mitgenommen worden sind, wissen aus eigener Erfahrung, dass das stimmt. Doch unabhängig von allen solchen Ursachen hat es Träume gegeben, und es gibt sie möglicherweise immer noch, die überhaupt nicht von einem körperlichen Unwohlsein oder anderen natürlichen Ursachen abhängen, sondern eine göttliche Zusage mit sich zu bringen scheinen und einen besonderen Eindruck auf die betroffene Person machen; obwohl das vor dem Abschluss des Kanons der Schrift häufiger vorkam als heutzutage. Gott sprach zu seinem Volk in einem Traum, in einer nächtlichen Vision; nehmt als Zeugnis dafür den Gegenstand unserer heutigen Meditation, ein Traum des Patriarchen Jakob, als er aus dem Haus seines Vaters fortging, als ein armer Pilger mit einem Stab in der Hand, der Gesellschaft und Weisung seiner Mutter beraubt, von einem älteren Bruder verfolgt, ohne Diener oder das Nötigste, sich nur auf eine unsichtbare Kraft stützend. Ich brauche euch nicht darüber zu informieren, auf welch außergewöhnliche Weise er den Segen erhielt, was seinen Bruder in einem solchen Masse provozierte, dass er beschloss, Jakob zu töten, sobald sein betagter Vater tot sein würde. In welche Höhen erhob sich die Eifersucht dieses gottlosen Mannes, als er sagte: „Die Tage der Trauer um meinen Vater werden bald kommen;“ 21Mo 27,41 und was dann? „Nun, obwohl ich ein wenig Mitgefühl für den alten Mann habe, und deswegen nicht mit Gewalt Hand an meinen Bruder legen werde, solange mein Vater noch am Leben ist, bin ich trotzdem entschlossen, ihn umzubringen, bevor mein Vater in seinem Grab erkaltet ist.“ Das ist genau der Geist Kains, der mit seinem Bruder sprach und ihn dann erschlug. Das kommt seiner Mutter zu Ohren, sie erzählt es ihrem Mann, dem guten, alten Patriarchen, der den guten Rat des schwächeren Gefäßes annimmt, weil er Frieden und Ruhe liebt und er weist Jakob an, zu Laban zu gehen, dem Bruder seiner Mutter, und dort eine kleine Weile außerhalb der Sichtweite von Esau zu bleiben (vielleicht aus den Augen, aus dem Sinn) und irgendwann, sagt er, „kannst du dann wahrscheinlich wieder in Frieden und Sicherheit zu Vater und Mutter zurückkommen.“ Obwohl sich Jakob des Segens am Ende sicher war, weil sein Vater es bestätigt hatte, machte er trotzdem klugerweise Gebrauch von den gebotenen Mitteln. Deshalb gehorchte er seinen Eltern, und wehe, wehe denen, die denken, ein Segen der Eltern sei es nicht wert, danach zu fragen! Obwohl er den Segen seiner Mutter hatte und auch den seines Vaters, sagte er nicht: „Ich werde es austesten mit meinem Bruder, ich werde ihn wissen lassen, dass ich keine Angst vor ihm habe“; er sieht es als den Ruf Gottes und macht sich wie ein ehrlicher, einfacher Pilger auf den Weg von Beerscheba nach Haran. War es nicht ein wenig lieblos von seinen Eltern, ihn nicht mit einigen Notwendigkeiten oder Annehmlichkeiten auszustatten? Als der Diener ausgesandt wurde, um eine Frau für Isaak zu holen, hatte er ein großes Gefolge; warum sollte also Jakob, das jetzt nicht auch haben? Sein Vater hätte ihn mit einem großen Geleit verabschieden können. Aber ich neige dazu, zu glauben, dass dies nicht Jakobs echtem Pilgergeist entsprach. Er war ein stiller Mann, der in den Zelten blieb, 31Mo 25,27 auch wenn er vielleicht unter Zedernholzdecken hätte wohnen können. Er wählte das Leben eines Pilgers, und die Klugheit leitete ihn, sich auf diskrete Weise auf den Weg zu machen, um es zu vermeiden, dass Esaus Eifersucht noch größer werden und ihm den tödlichen Schlag versetzen würde.

   Ich stelle mir vor, wie der junge Pilger weinte, als er von seinem Vater und seiner Mutter Abschied nahm. Er ging zu Fuß, und diejenigen, die sich mit der Geografie dieser Gegend auskennen, sagen, dass er am ersten Tag seiner Reise nicht weniger als vierzig englische Meilen zurücklegte. Was für eine Anstrengung muss das gewesen sein! Kein Wunder also, dass der arme Jakob sich sehr erschöpft fühlte, als die Sonne unterging, denn uns wird erzählt: „Er gelangte an einen Ort und blieb dort über Nacht, denn die Sonne war untergegangen.“ 41Mo 28,11 Hier gibt es eine besondere Betonung auf den Ausdruck „an einen Ort“; er sah die Sonne untergehen, er war ein Fremder in einem fremden Land. (Ihr, die ihr in England geboren seid, könnt euch das nur schwer vorstellen, aber Reisende in den Wäldern Amerikas können sich das konkreter vorstellen, denn dort könnt ihr Hunderte und Tausende von Meilen zurücklegen und durch ein ununterbrochenes Gebiet aus hohen grünen Bäumen gehen, wie die hohen Zedern des Libanon; und die Gentlemen in Amerika, von einem Ende bis ans andere, sind dabei von einem so gastfreundlichen Wesen, wovon ich nicht nur gehört habe, sondern es in über dreißig Jahren selbst unter ihnen erlebt habe, dass sie es nicht erlauben, dass öffentliche Gasthäuser lizenziert werden, damit sie die Gelegenheit haben können, englische Freunde zu bewirten. Möge Gott in seiner unendlichen Barmherzigkeit gewähren, dass diese Einheit niemals aufgelöst wird.)

   Nun, Jakob kam an einen Ort und vielleicht sah er einen guten Baum, der ihm als Baldachin dienen konnte. Wie auch immer, uns wird berichtet, dass er dort über Nacht blieb, weil die Sonne untergegangen war, und er nahm von dem Steinen jenes Ortes und legte sie als Kissen unter seinen Kopf und legte sich an jenem Ort schlafen. Harte Lagerstätte für ihn, der zu Hause anders zu liegen gewohnt war. Ich höre ihn nicht sagen: „Ich wünschte, ich wäre wieder zurück bei meiner Mutter, ich wünschte, ich wäre nicht fortgegangen.“ Sondern er legt sich auf den harten Boden und sein hartes Kissen. Ich glaube, noch nie in seinem Leben hat ein armer Mann süßer geschlafen, denn es ist ganz gewiss ein süßer Schlaf, wenn uns Gott nah ist. Er wusste nicht, ob nicht sein Bruder ihm folgen und ihn töten würde, während er schlief, oder ob nicht die wilden Tiere ihn fressen würden. (In Amerika, wenn sie in den Wäldern schlafen, und ich erwarte, einige solche Nächte dort zu erleben, bevor das Jahr herum ist, sind wir gezwungen, ein Feuer zu machen, um die wilden Tiere von uns fernzuhalten. Ich habe es oft gesagt, und ich hoffe, das nie zu vergessen, wenn ich am Morgen aufstehe: Dieses Feuer in den Wäldern, dass die wilden Tiere davon abhält, uns zu verletzen, ist wie das Feuer von Gottes Liebe, dass den Teufel davon abhält, uns zu verletzen.) So erschöpft und einsam schläft er ein und träumt süß „und siehe“; ich erinnere mich nicht an viele Schriftstellen, in denen das Wort „siehe“ in kurzem Abstand so oft wiederholt wird wie in dieser Textstelle vor uns; zweifellos hätte der Herr gerne, dass wir ganz besonders darauf achten, gerade wir, auf die das Ende der Zeiten gekommen ist. 51Kor 10,11 „Und siehe, eine Leiter stand auf der Erde, und ihre Spitze reichte bis zum Himmel; und siehe, die Engel Gottes stiegen auf und nieder auf ihr. Und siehe, der Herr stand oben darauf“; also hier sind drei „Siehe“ in wenigen Zeilen. War daran irgendetwas sehr Außergewöhnliches? Vielleicht würden die Deisten sagen, „euer Patriarch war müde und träumte unter anderem von einer Leiter“, ja das tat er, aber dieser Traum kam von Gott, und wie gütig war es von ihm, ihm am Ende des ersten Tages seiner Reise zu begegnen, um ihn dafür zu stärken und zu beleben, auf seiner einsamen Pilgerreise weiterzugehen!

   Von manchen wird vermutet, dass die Leiter die Vorsehung Gottes symbolisiert. Sie wurde sozusagen vom Himmel heruntergelassen, ganz besonders zu dieser Zeit für den armen Jakob, damit er wissen sollte, dass auch wenn er ein Pilger geworden war und alles zurückgelassen hatte, alles für Gottes Herrlichkeit, dass Gott für seinen Trost sorgen würde und seinen Engeln befehlen würde, ihn auf allen seinen Wegen zu behüten, 6Ps 91,11 was dadurch angedeutet wurde, dass die Engel auf der Leiter auf- und niederstiegen. Manche denken, dass bestimmte Heilige und Länder besondere Schutzengel haben und dass deswegen die Engel, die aufstiegen, diejenigen waren, die speziell für diesen Ort verantwortlich waren, solange bis Jakob dorthin gekommen war; und dass die Engel, die niederstiegen, eine andere Gruppe von Engeln waren, die vom Himmel herabgesandt worden war, um auf seiner zukünftigen Reise über ihn zu wachen; vielleicht ist das mehr eine Fantasie als das Wort Gottes. Wie auch immer, ich mag die Beobachtung des guten Mr. Burkitt 7William Burkitt (1650–1703) anglikanischer Geistlicher, Bibelausleger und Autor, besonders bekannt für sein Werk Expository Notes, with Practical Observations on the New Testament (Praktische Erklärung des Neuen Testaments, 1700) sehr: „Warum sollten wir darüber streiten, ob jeder einzelne Gläubige einen besonderen Engel hat, wenn es keinen einzigen Gläubigen gibt, der nicht eine Wache von Engeln um sich hat, um ihn zu begleiten?“

   Aber, meine lieben Zuhörer, ich kenne keinen einzigen geistlichen Kommentator, der nicht zustimmt, dass diese Leiter ein Typus des Herrn Jesus Christus war; und dass, als Jakob so aus dem Haus seines Vaters verbannt war und auf einem harten, kalten Stein schlief, es Gott nicht nur wohlgefallen hat, ihm eine Zusicherung zu geben, dass er auf dem Weg mit ihm sein würde, sondern ihm auch einen gesegneten Anblick von Jesus Christus zu gewähren, an den Jakob glaubte.

   Ihr wisst, eine Leiter ist etwas, womit wir von einem Ort zu einem anderen hinaufsteigen; deshalb befahl Gott, dass eine Leiter herabgelassen werden sollte (in gütigem Entgegenkommen gegenüber unseren schwachen Fähigkeiten), um uns zu zeigen, dass Christus der Weg zum Himmel ist: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; 8Joh 14,6 ich bin die Tür“, 9Joh 10,9 sagt er, und es ist in keinem anderen das Heil; denn es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen. 10Alpg 4,12 Die Deisten, die einen Gott anerkennen, aber seinen Sohn verleugnen, wagen es, zu einem Gott außerhalb von Christus zu gehen; aber Jakob wird hier eines Besseren gelehrt: Wie früh offenbart Gott ihm das Evangelium! Hier ist eine Leiter, durch welche Gott zu uns predigt; wenn ihr vorhabt, von der Erde in den Himmel hinaufzusteigen, dann müsst ihr durch den Sohn Gottes nach oben gelangen; niemand hat uns jemals den richtigen Weg in den Himmel gezeigt außer ihm selbst.

   Als Adam und Eva von Gott abfielen, blitzte ein flammendes Schwert nach allen Seiten, um sie vom Baum des Lebens fernzuhalten; 111Mo 3,24 aber Jesus allein ist ein neuer und lebendiger Weg, 12Heb 10,20 nicht nur zum Allerheiligsten hier unten, sondern auch hinein in die unmittelbare Gegenwart Gottes; und damit wir wissen können, dass er ein richtiger Retter ist, reichte die Spitze der Leiter bis zum Himmel. Wäre sie zu kurz gewesen, dann hätte Jakob sagen können: „Ach, die Leiter geht fast bis zum Himmel, aber sie erreicht ihn nicht ganz; wenn ich bis ganz nach oben hinaufsteige, werde ich letztendlich doch nicht dorthin kommen.“ Aber die Spitze reichte bis zum Himmel, um die Göttlichkeit und die Erhöhung des Sohnes Gottes herauszustellen. Ein solcher Retter passte auch zu uns, 13Heb 7,26 der Gott war, Gott über alles, gepriesen für immer;und deswegen ist das arianische Schema äußerst deprimierend und zerstörerisch; von Christus zu reden als von einem Retter, der nicht Gott ist, das ist gar kein Christus. Ich würde morgen zum Deisten werden, wenn ich nicht wüsste, dass Christus Gott ist; aber verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut und Fleisch zu seinem Arm macht. 14Jer 17,5 Wenn Christus Gott ist, dann sind die Arianer und Sozinianer nach ihren eigenen Prinzipien auf ewig verloren. Aber Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, gezeugt nicht geschaffen vom Vater. Gott aus seiner unendlichen Gnade schreibe seine Göttlichkeit tief in unsere Herzen!

   Der Fuß der Leiter reichte bis zur Erde; das hebt für uns die Erniedrigung des gesegneten Herrn hervor: Für uns Menschen kam er vom Himmel herab. Wir beten zu und für einen herabsteigenden Gott. All die Leiden, denen sich unser Herr freiwillig aussetzte, hatten zum Ziel, dass er zu einer Leiter für dich und mich werden würde, um zum Himmel hinaufzusteigen. „Steig herab vom Kreuz“, sagen sie, „und wir werden an dich glauben.“ 15Mt 27,42 Wenn er es getan hätte, was wäre dann aus uns geworden? Glaubten sie an ihn, als er tot war, begraben und wieder auferstanden? Nein. Manche Leute sagen: „Wenn Christus hier wäre, ach du meine Güte, wie sehr würden wir ihn lieben.“ Genauso viel wie sie es getan haben, als er damals herabgekommen war. Wenn er vom Kreuz herabgestiegen wäre, dann hätten sie ihn wieder aufgehängt. Oh, dass ihr und ich sein Kreuz zu einer Stufe zur Herrlichkeit machen könnten!

   Weil die Spitze der Leiter auf seine Erhöhung hinweist und der Fuß auf seine Erniedrigung, weisen die beiden Enden der Leiter, die miteinander verbunden sind, auf die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der Person von Christus hin; und darauf, dass so wie diese Leiter Stufen hat, gepriesen sei Gott, Jesus Christus einen Weg herausgefunden hat, auf dem wir zur Herrlichkeit gelangen können, Schritt für Schritt. Die erste Stufe ist die Gerechtigkeit von Christus, der aktive und passive Gehorsam des Erlösers. Es ist unmöglich, einen Fuß auf diese Leiter zu setzen, ohne aus uns selbst herauszukommen und uns vollkommen auf eine bessere Gerechtigkeit als unsere eigene zu verlassen. Und alle weiteren Stufen sind die Gnaden des gesegneten Geistes; deshalb müsst ihr keine Angst davor haben, dass wir durch die Verkündigung der Lehre von der Anrechnung der Gerechtigkeit Christi die innere Heiligkeit zerstören, das eine ist das Fundament, das andere ist der Oberbau. Davon zu reden, dass ich die Gerechtigkeit Christi auf meine Seele angerechnet habe, ohne dass ich die Heiligkeit Christi in ihr eingepflanzt habe und als Beweis dafür die Früchte des Geistes hervorbringe, ist nur eine Selbsttäuschung. Ich würde niemals über angerechnete Gerechtigkeit predigen, ohne von der inneren Heiligkeit zu sprechen, denn wenn ihr hier nicht sehr vorsichtig seid, dann werdet ihr unbewusst unter dem Vorwand, Christus zu erhöhen, in den Antinomianismus geraten, in Tiefen, in die Calvin nie abgeglitten ist. Wahrscheinlich werdet ihr andere Geister, die nicht mit euch übereinstimmen, verbittern und gleichzeitig die Früchte des Geistes beschädigen; möge Gott euch klare Köpfe und zugleich warme Herzen schenken!

   Auf der Leiter sah Jakob die Engel Gottes auf- und niedersteigen. Wofür steht das? Um zu zeigen, dass sie dienstbare Geister sind, ausgesandt zum Dienst um derer willen, welche das Heil erben sollen. 16Heb 1,14 Deshalb sehen wir sie auch Christus bedienen. Wir hören nicht viel von ihnen, nachdem der Kanon der Schrift abgeschlossen worden war, aber sobald wie Christus geboren war, sangen die Engel; bis dahin hatten wir noch nie hier unten von ihrem Gesang gehört, soweit ich beurteilen kann, seit der Schöpfung; damals jubelten alles Gottesöhne; 17Hi 38,7 doch als Eva ihre Hand ausstreckte, um den verhängnisvollen Apfel zu pflücken, und ihn Adam gab, stöhnte die Erde, und die Engel hängten sozusagen ihre Harfen an die Weiden. 18Ps 137,2 Aber als Christus, der zweite Adam, geboren wurde, da sangen die Engel um Mitternacht: „Ehre sei Gott in der Höhe.“ 19Lk 2,14 Ich bete zu Gott, dass wir alle beim Sterben diese Hymne singen, und sie in alle Ewigkeit singen werden. Nach seinen Versuchungen kamen sie und bedienten ihn, wie manche meinen mit Essen für seinen Körper und wünschten ihm Freude und Trost in der Seele; und in seinen Qualen im Garten stärkte ihn ein Engel. Nach seiner Auferstehung erschienen noch einmal zwei, einer am Kopf und einer am Fuß seines Grabes, um die, die ins Grab schauten, wissen zu lassen, dass sie nicht nur dem Haupt, sondern auch den Füßen dienstbar sind; und die Engel freuen sich, den Geringsten der Kinder Gottes zu Diensten zu sein. Als unser Herr fortging, nahm ihn eine Wolke auf und entzog ihn ihren Blicken, 20Apg 1,9 welche wahrscheinlich eine Wolke von Engeln war. Nachdem er seine Jünger aus der Stadt geführt hatte, segnete er sie, und dann ging er fort in den Himmel; möge dieser Segen auf euch und auf euren Kindern ruhen! Dies deutet darauf hin, dass Gott Engel verwendet, um sein Volk zu begleiten, ganz besonders, wenn sie fortgehen in die Ewigkeit; vielleicht wird ein Teil unseres Vergnügens im Himmel darin bestehen, die Engel erzählen zu hören, wie viele Millionen Male sie uns geholfen und unterstützt haben. Unser Herr sagt, dass Engel dort das Angesicht des Vaters von seinen Kleinen sehen. 21Mt 18,10 Und deshalb liebe ich es, zu den Lämmern der Herde zu sprechen und warum sollte ich nicht zu ihnen sprechen, wenn die Engel es als eine Ehre ansehen, sie zu bewachen?  Und wenn das nicht so wäre, wie könnten die Kinder den Gefahren entkommen, denen sie in ihrem zarten Alter ausgesetzt sind? Es ist der besonderen Vorsehung Gottes zu verdanken, dass überhaupt ein Kind das Erwachsenenalter erreicht; deshalb kann ich nicht anders, als jenen Teil der Litanei zu bewundern, in dem wir beten, dass Gott nicht nur für die Erwachsenen sorgen möchte, sondern auch für die Kinder. Gott sorge für eure, an Körper und Seele.

   Aber was Jakob den größten Trost spendete, war, dass der Herr an der Spitze der Leiter stand, und ich weiß nicht, ob es so gewesen wäre, wenn Jakob Gott dort nicht gesehen hätte. Es tröstet mich, das versichere ich euch, zu denken, dass, wann immer Gott nach mir rufen wird, ich dann von den Engeln in Abrahams Schoß getragen werde; 22Lk 16,22 und ich habe oft gedacht, dass wann immer diese Zeit kommen wird, wenn dieser gesegnete, lang erwartete Moment kommen wird, im selben Augenblick, wenn sie nach mir gerufen haben, wird meine erste Frage an sie sein: „Wo ist mein lieber Meister? Wo ist Jesus? Wo ist dieser liebe Immanuel, der mich mit ewiger Liebe geliebt hat, 23Jer 31,2 und mich durch seine Gnade gerufen und euch geschickt hat, um mich nach Hause zu holen, um sein Angesicht zu sehen?“ Aber ich glaube, ihr und ich, wir werden keine Gelegenheit haben, um zu fragen, wo er ist, denn er wird kommen, um uns zu treffen, er wird an der Spitze seiner Leiter stehen, um seine Pilger aufzunehmen; so war Gott an der Spitze der Leiter, bitte beachtet das. Er erscheint nicht sitzend, wie er oft im Himmel dargestellt wird, sondern stehend, so als wollte er damit sagen: „Hier, hier, Jakob, dein Bruder will dich umbringen; hier bist du hergekommen ohne einen Diener; du liegst auf einem harten Bett, aber hier bin ich bereit, um dich zu bewahren. Ich stehe oben und ich sehe deine Müdigkeit, ich sehe die Erschöpfung und die Mühsal, die dir noch bevorsteht, auch wenn du sie selbst noch nicht siehst. Du hast dich selbst auf meine Vorsehung und meinem Schutz geworfen, und ich werde dir das Wort eines Gottes geben, dass ich dir beistehen werde.“ Der Herr stand oben. Wenn er nichts gesagt hätte, wäre das genug gewesen, um seine Bereitschaft zu helfen, zu zeigen.

   Aber Gott spricht: „Siehe“. Wie passend das hier mit dem Wort „siehe“ eingeleitet wird: „eine Leiter stand auf der Erde, und ihre Spitze reichte bis zum Himmel; und siehe, die Engel Gottes stiegen auf und nieder auf ihr; und siehe, der Herr stand oben darauf.“ Was sagt er? „Ich bin der Herr, der Gott Abrahams, deines Vaters.“ Oh! Glücklich sind die, die sagen können: „Der Herr, der Gott meines Vaters.“ Glücklich seid ihr, die Väter und Mütter im Himmel haben. Ich erinnere mich, dass ich vor etwa fünfundzwanzig Jahren einen Mann auf der Straße traf, als ich von Bristol aus reiste, und weil ich gerne wissen wollte, ob er seriös war oder nicht, begann ich, ein Wort für Christus einzulegen (und Gott bewahre, dass ich mit jemandem eine Viertelstunde reise, ohne zu ihnen von Christus zu sprechen). Er erzählte mir, was für eine gottlose Kreatur er gewesen war. „Aber, Sir“, sagt er, „inmitten meiner Gottlosigkeit erzählten mir die Leute oft: „Du hast eine ganze Menge Gebete für dich angelegt bekommen, deine gottesfürchtigen Eltern haben sehr oft für dich gebetet“; und es hat Gott Wohlgefallen, dass an ihm gewirkt wurde und er zu Christus gebracht wurde. Legt einen guten Vorrat für eure Kinder an; bringt darin eine ganze Menge Gebete für sie unter, sie könnten erhört werden, wenn ihr schon längst tot und begraben seid. „Ich bin der Gott deines Vaters Abraham“, nicht deines Großvaters. Um ihn darauf aufmerksam zu machen, welche Ehre Gott ihm zuteilwerden lassen würde, indem er ihn sozusagen zum Vater der Kirche machen würde. „Auch wenn ihr viele Lehrer habt“, 241Kor 4,15 sagt Paulus, „habt ihr nur einen Vater.“

   „und der Gott Isaaks: das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinem Samen geben.“ Erstaunlich! Erstaunlich! Ihr wisst sehr gut, wenn Personen ein Haus kaufen oder anderweitig bekommen, dann nehmen sie es normalerweise in Besitz mit einer Zeremonie, wie zum Beispiel, dass sie einen Erdklumpen oder einen Zweig überreicht bekommen oder in die Hand nehmen als ein Zeichen für ihren Titel. „Nun“, sagt Gott, „armer Jakob, du wärst nie auf die Idee gekommen, dass ich beabsichtige, dir und deinen Nachkommen genau diesen Flecken Erde, auf dem du heute Nacht kalt und steif liegst, als ein Erbe zu geben.“ O meine Brüder, lebt ganz für Gott, und Gott wird euch alles geben! Wer hätte das gedacht? Jakob ganz bestimmt nicht. Es scheint, als ob Gott Freude daran hatte, sein liebes Kind auf so einem harten Boden liegen zu sehen; wenn er auf einem Federbett gelegen hätte, dann hätte er vielleicht nicht einen solch besonderen Besuch erhalten. Du wirst ab jetzt einen Gott haben, um dich auf ihn zu stützen: „Dir will ich es geben und deinem Samen. Und dein Same soll wie der Staub der Erde werden, und du sollst dich ausbreiten nach Westen und nach Osten, nach Norden und nach Süden; und in dir und in deinem Samen sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden.“ So glich der Himmel den Verlust der Annehmlichkeiten des Hauses seines Vaters aus, durch die Aufdeckung des künftigen Wohlstands von ihm und seinen Nachkommen, durch einen Anteil am verheißenen Samen.

   Meine besonderen Umstände bringen mich dazu, zu bemerken, und ich glaube, Gott hat es absichtlich so gefügt, um mich zu ermutigen, dass der Glaube, der sich auf die Verheißung stützt, sich leicht mit dem Verlust von gegenwärtigem Gut abfinden kann, wohingegen weltliche Herzen Wohlstand als einen Anteil betrachten; es kümmert sie nicht, ob der Teufel sie später holen wird, solange sie es jetzt haben; und das lässt fleischliche Leute sich wundern, wie wir Dinge in dieser Welt aufgeben können, um derer willen, die noch nicht geboren sind. Aber es ist, um Gott zu verherrlichen und eine Grundlage für das Glück anderer zu legen. Hier gewährt Gott es Jakob, zu wissen, dass sein Same sich künftig nach Osten, Westen, Norden und Süden ausbreiten wird, dass seine Zweige sich vermehren werden und dass schließlich Jesus Christus aus seinen Lenden kommen wird. Wofür? „In ihm sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden“ Gott, der Allmächtige, gebe, dass wir in ihm gesegnet sein mögen.

   Falls Jakob nun in seinem Herzen sagen sollte: „Hast du keine Verheißung für mich?“; kommt hier ein weiteres „Siehe“ zum Einsatz: „Siehe, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst.“ Was für ein Wort ist das! Du hast niemanden bei dir, nichts außer einem Stab. (Er konnte nicht viel auf seinem Rücken tragen, wie ein armer Soldat mit einem Rucksack und ein wenig Brot in der Tasche.) „Nun“, sagt Gott, „ich verachte dich nicht, weil du mittellos bist, sondern ich liebe dich darum umso mehr. Dein Bruder Esau kann es kaum erwarten, dich zu töten, aber wenn Esau dich erstechen will, dann muss er erst deinen Gott erstechen; ich werde nicht nur jetzt bei dir sein, sondern ich werde jeden Schritt, den du gehst, überwachen, ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst.“ So als wolle er sagen: „Jakob, du bist ein Pilger; dein Leben wird ein Leben in Bewegung sein. Ich beabsichtige nicht, dass du dich niederlässt und an einem Ort bleibst. Dein Leben wird ein Leben voller Veränderungen sein; du wirst von Ort zu Ort ziehen. Aber ich bin mit dir und will dich behüten, wo du auch hingehst, und daran wird erkennbar sein, dass ich Jakobs Gott bin und auch daran, dass ich dich wieder in dieses Land bringen werde.“ Er versichert ihm nicht nur eine erfolgreiche Reise zu dem Ort, wohin er jetzt geht, sondern verspricht, ihn eines Tages wieder zurückzubringen, damit er seine geliebten Eltern und seine Verwandten wiedersehen kann. „Ich will dich wieder in dieses Land bringen“; und um seinen Glauben und Hoffnung zu bestätigen, fügt der große Gott hinzu: „Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich dir gesagt habe“, das heißt, all das Gute, das er gerade eben versprochen hat. Manche Leute versprechen etwas, aber sie können es heute nicht tun und sie werden es morgen nicht tun. Ich habe die Welt kennengelernt und habe ihre Veränderungen durchlebt, seit ich hier bin, aber gepriesen sei Gott, ein unveränderlicher Christus, der die Seinen liebt, liebt sie bis ans Ende. 25Joh 13,1 „Ich will dich nicht verlassen, bis ich getan habe, was ich dir gesagt habe.“ Möge dieses Versprechen auf euch und eure Kinder kommen und auf alle, die Gott rufen wird.

   So sprach der große Jehova zu dem armen Jakob, der gerade aufbrach in ein fremdes Land und nicht wusste, wohin er ging. Aber jetzt spricht Gott nicht nur zu Jakob, sondern er spricht auch zu euch; und, gepriesen sei der lebendige Gott, er spricht auch zu mir, dem Geringsten unter allen; und es ist zwar meine Absicht, zu euch über meine Abreise zu sprechen, wer weiß, ob dies nicht meine letzte Gelegenheit dazu ist, aber dennoch, meine Brüder, besteht meine hauptsächliche Absicht, zu euch zu predigen, darin, euch den Herrn Jesus Christus für eure Seelen zu empfehlen und bevor ich gehe, eine besondere und persönliche Anwendung zu machen. Gestattet mir deshalb, euch zu fragen, es könnte das letzte Mal sein, dass ich viele von euch fragen kann, ob ihr jemals euren Fuß auf diese gesegnete Leiter, den Sohn Gottes, gesetzt habt? Ich frage euch im Namen des Herrn Jesus Christus, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes: Habt ihr jemals, sage ich, euren Fuß auf diese Leiter gesetzt? Das heißt: Habt ihr jemals schon an Jesus Christus geglaubt und seid zu ihm als arme, verlorene Sünder gekommen, die sich auf keine andere Gerechtigkeit verlassen als auf die des Sohnes Gottes? Vielleicht würden jetzt einige von euch antworten: „Weg mit deiner Leiter!“ Und was werdet ihr dann tun? „Nun“, sagt ihr, „ich werde ohne sie in den Himmel hinaufsteigen.“ Auf was für einer Leiter werdet ihr hinaufsteigen? „Oh, ich denke, ich komme in den Himmel, weil ich getauft worden bin.“ Diese Leiter wird unter euch zusammenbrechen. Was, eine Leiter gemacht aus Wasser? Wovon träumt ihr? Nein. „Oh, ich denke, ich werde in den Himmel kommen, weil ich niemandem etwas zuleide getan habe.“ Was, eine Leiter gemacht aus negativem Gutsein? „Ich denke, dass ich dahin komme“, sagt ihr, „durch gute Werke.“ Eine Leiter gemacht aus guten Werken, die nicht Christus zum Fußende hat, was ist das? „Ich denke“, sagt ihr, „dass ich in den Himmel komme durch meine Gebete und Fasten.“ All diese Dinge sind gut an ihrem Platz; aber, meine Brüder, denkt nicht, dass ihr an diesen Seilen aus Sand zum Himmel hinaufsteigen könnt. Wenn ihr noch nie zuvor euren Fuß auf Christus, diese gesegnete Leiter, gesetzt habt, dann gebe Gott, dass dies jetzt die glückliche Zeit ist.

   Ich habe gebetet, ich glaube, bevor die meisten von euch aufgestanden sind, dass Gott mir einen Abschiedssegen schenken möchte. Ich erinnere mich, dass mir ein lieber christlicher Freund schon bald, nachdem ich England das letzte Mal verlassen hatte, von einer Frau erzählte, die nur aus Neugier hergekommen war und ihre Bekehrung darauf zurückführte, dass sie meine letzte Predigt gehört hatte; und ich preise Gott, dass ich bisher noch nie England verlassen habe, ohne dass irgendeine arme Seele ihre Bekehrung auf meine letzte Predigt zurückgeführt hat. Als ich mein Chorhemd anzog, um herauszukommen und den zweiten Gottesdienst zu lesen, da dachte ich, dass es ist, wie wenn eine Person ordentlich angekleidet wird, um hinauszugehen, um dann hingerichtet zu werden. Es wäre mir lieber, wenn es der Wille Gottes wäre, dass es so sei, als zu fühlen, was ich fühle, wenn ich mich von euch verabschiede, dann würde der Tod dem allem ein Ende setzen. Aber ich muss hingerichtet werden, wieder und immer wieder und nichts wird mich in dieser Qual unterstützen, als die Überlegung, dass Gott mich für einige arme Seelen zum Segen macht. Betet für mich, ihr Kinder Gottes, dass Gott uns einen Abschiedssegen schenken möge. Gott helfe euch, junge Leute, euren Fuß auf diese Leiter zu setzen. Steigt nicht die falsche hinauf: Der Teufel hat eine Leiter, aber sie reicht hinab zur Hölle; all die Kinder des Teufels steigen hinab, nicht hinauf; der Fuß der Teufelsleiter reicht in die Tiefen der Verdammten und ihre Spitze reicht bis zur Erde; und wenn der Tod kommt, dann wird die Teufelsleiter nach oben ausgefahren, um euch hinabzulassen; um Gottes willen, kommt weg von der Leiter des Teufels. Klettert, klettert, liebe junge Männer! Oh, es hat mich am Freitagabend im Tabernakel 26(engl. „Stiftshütte“), Name des Kirchengebäudes von Whitefields Methodistengemeinde in London, Moorfields so gefreut, als wir ein ergreifendes Abschiedsabendmahl feierten; und es hat mich heute morgen sehr gefreut, so viele junge Männer am Tisch zu sehen; Gott füge hinzu zu dieser gesegneten Zahl! Junge Frauen, setzt eure Füße auf diese Leiter. Gott lässt eine Leiter vom Himmel herab, und der Teufel fährt eine andere von der Hölle aus nach oben aus. „Oh“, sagt ihr, „ich würde Gottes Leiter hinaufsteigen, ich denke, das ist richtig, aber man wird mich dafür auslachen.“ Denkt ihr, ihr könnt in den Himmel kommen, ohne ausgelacht zu werden? Der Herr Jesus Christus helfe euch, in den Himmel hinaufzusteigen. Kommt, klettert, bis ihr außer Hörweite ihres Lachens seid. Oh, vertraut nicht auf eure eigene Gerechtigkeit, auf eure Gelübde und guten Vorsätze.

   Einige von euch, gepriesen sei Gott, sind diese Leiter hinaufgestiegen oder sind wenigstens gerade dabei, sie hinaufzusteigen; nun, ich wünsche euch Freude daran, Gott sei gepriesen dafür, dass er diese Leiter herabgelassen hat. Ich habe nur ein Wort zu euch zu sagen, um Jesus Christus willen und auch um euer selbst willen: Klettert ein wenig schneller hinauf! Passt auf, dass die Welt euch nicht an euren Fersen zu fassen bekommt. Es ist eine Schande, dass die Kinder Gottes nicht schneller klettern. Ihr könnt sagen, was ihr wollt, aber die Lauheit von Gottes Volk ist für ihn provozierender als alle Sünden der Nation. Wir schreien auf über die Sünden des Landes; Gott gebe, dass wir doch mehr über die Sünden der Heiligen aufschreien würden! „Ich werde dich aus meinem Mund ausspeien, weil du lau bist“, 27Offb 3,16 sagt Christus. Und wenn einige von euch sagen, dass ihr nicht klettern könnt, weil ihr lahm seid, dann schaut auf Jesus Christus, meine lieben Freunde, und eure Leiden werden euch zum Klettern bringen. Und wenn einige von euch die Leiter wieder hinunterkommen, dann möge der Herr Jesus Christus die Torheit der Predigt 281Kor 1,21 segnen, um euch wieder hinaufzuhelfen. „Oh“, sagt ihr, „mir ist schwindelig, ich werde herunterfallen.“ Hier, ich werde euch ein Seil geben, denn Gott lässt eine Verheißung herab. Klettert, klettert also, bis ihr in ein besseres Klima hinaufgestiegen seid. Und Gott wird seine Hand ausstrecken, wenn ihr irgendwann die Spitze der Leiter erreicht, um euch zu sich zu holen. Gepriesen sei der lebendige Gott! Ich hoffe und glaube, dass ich viele von euch irgendwann wiedersehen werde.

   Und nun, meine Brüder, ist es an der Zeit für mich, meine eigene Begräbnispredigt zu halten; und ich möchte demütig hoffen, dass ich als armer Sünder Anspruch auf das erheben darf, was Gott Jakob versprochen hat, und ich tue das mit voller Zuversicht des Glaubens, dass Gott mit mir sein wird. Ich werde nun zum dreizehnten Mal den Atlantik überqueren. Als ich das letzte Mal aus Amerika zurückkam, nahm ich Abschied von dem gesamten Kontinent, vom einen Ende der Provinzen bis zum anderen, abgesehen von einigen Orten, die damals noch nicht zugänglich waren. Ich nahm Abschied für mein Leben, ohne die geringste Absicht, dorthin zurückzukehren, meine Gesundheit war so schlecht. Und die Aussicht, das Waisenhaus in andere Hände zu geben, ließ mich bei meiner Ankunft sagen, dass ich keinen anderen Fluss mehr zu überqueren hätte als den Jordan. Ich dachte damals daran, in den Ruhestand zu gehen, weil ich nicht auftreten wollte, wenn meine Nerven so geschwächt waren, dass ich Gott nicht so dienen konnte, wie ich es mir wünschte. Aber Gott hat es wohlgefallen, meine Gesundheit wesentlich wiederherzustellen und er hat es durch seine Vorsehung so arrangiert, dass ich beabsichtige, das Waisenhaus und das ganze angrenzende Land für ein öffentliches College aufzugeben. Ich hatte gewünscht, eine öffentliche Genehmigung dafür zu erhalten, aber Seine Gnaden, der verstorbene Erzbischof von Canterbury, hat dies blockiert. Sie hätten mir eine Urkunde gegeben, was alles war, was ich wollte, aber sie bestanden darauf, zumindest Seine Gnaden und noch ein anderer taten das, dass ich es vollständig auf die Kirche von England beschränken sollte, und dass in diesem Haus öffentlich kein Gebrauch von freiem Gebet gemacht werden sollte, obwohl Nonkonformisten und alle möglichen Arten von Leuten dazu beigetragen hatten. Ich würde mir eher den Kopf abschneiden lassen, als das Vertrauen zu mir zu verraten, indem ich es auf eine solche enge Grundlage beschränke. Es war immer meine Absicht, dass es auf einer breiten Grundlage gehalten werden soll, für Menschen aus allen Denominationen, so dass ihre Kinder in der Furcht Gottes erzogen werden können. Aus diesem Grund fiel das Waisenhaus wieder in meine Hände zurück. Ich habe noch einmal, jetzt, da meine Gesundheit wiederhergestellt ist, beschlossen, den ursprünglichen Plan weiterzuverfolgen. Und durch die zärtlichen Gnaden Gottes erhebt sich Georgia, das vor etwa zweiunddreißig Jahren ein völlig verlassenes Gebiet war und wo das Land, das mir vom Unterhaus gegeben wurde, ohne das von mir für das Waisenhaus ausgegebene Geld verlassen worden wäre, in erstaunliche Höhen. Durch die Programme, die dort jetzt gestartet worden sind, werden öffentliche Gebäude errichtet. Ich hoffe, dass bis zum 25. März, der Jahrestag, an dem ich im Jahr 1739 dort den Grundstein legte; ich sage, ich hoffe, dass bis dahin alle Dinge erledigt sind und eine gesegnete Versorgung für Waisen und arme Studenten eingerichtet sein wird, die dort aufwachsen werden, und es wird eine gesegnete Quelle der Versorgung für die Kinder Gottes in einem anderen Teil der Welt sein. Das ist der große Plan, weswegen ich dorthin gehe. Das ist mein sichtbarer Grund, aber ich bin bisher noch nie zu ihnen gegangen, ohne dass es Gott wohlgefallen hat, meinen Dienst unter ihnen zu segnen; und deswegen habe ich vor, den ganzen Kontinent auf dem Landweg zu bereisen, nachdem ich die Waisenhausangelegenheit erledigt habe, wofür ich den ganzen Winter und Frühling benötigen werde. Und wenn ich ans Ende der Reise komme, was in Kanada und Neuengland sein wird, dann hoffe ich, wieder zu diesem Ort zurückzukehren. Denn lasst die Leute sagen, was sie wollen, ich habe nicht die geringste Absicht, mich diesseits der Ewigkeit dauerhaft im Ausland niederzulassen; und ich gehe in keiner öffentlichen Funktion, sondern ich werde wie ein armer Pilger aufbrechen, auf eigene Kosten, im Vertrauen auf Gott, dass er für mich sorgen wird und meine Ausgaben tragen wird; und ich rufe Gott zum Zeugen an, und ich müsste ein verfluchter Teufel und Heuchler sein, hier in der Kanzel zu stehen und Gott dazu zu provozieren, mich für das Lügen totzuschlagen, dass ich niemals Liebe für die Welt übrig gehabt habe, sie noch nicht einmal eine Viertelstunde lang in meinem Herzen verspürt habe, seit ich zwanzig Jahre alt gewesen bin. Ich hätte reich sein können; aber obwohl die Chapel 29(engl. „Kapelle“), Name des von Whitefield gebauten Kirchengebäudes in London, Tottenham Court Roadtabern gebaut worden ist und ich ein komfortables Zimmer für mich habe, versichere ich euch, dass ich sie auf eigene Kosten gebaut habe; es hat niemanden außer mir selbst etwas gekostet. Ich habe mir einen Übermantel machen lassen, und darin werde ich jede Nacht auf dem Boden liegen, und möge Jakobs Gott mich segnen. Ich werde nicht viel über mich selbst sagen, aber wenn ich gepredigt habe, dann habe ich mit Vergnügen diese Worte gelesen und an sie gedacht: „Fürwahr, hier ist das Haus Gottes. Und ich will dich wieder in dieses Land bringen.“ Ob das meine Erfahrung sein wird oder nicht, gepriesen sei Gott, ich habe ein besseres Land vor Augen und, meine lieben Brüder, ich betrachte mich selbst nicht als zu Hause, bis ich im Königreich meines Vaters anlanden werde; und wenn ich unterwegs sterben sollte, wenn ich auf dem Schiff sterben sollte, tröstet es mich, dass ich weiß, so klar wie die Sonne, dass ich durch Gottes Willen gehe; und obwohl die Leute sagen könnten: „Wirst du die Welt verlassen? Wirst du die Chapel verlassen?“ Oh, ich bin erstaunt, dass wir nicht alles für Christus zurücklassen können; meine größte Prüfung ist es, mich von denen zu trennen, die mir so lieb sind wie meine eigene Seele; und egal wie sehr andere mich vergessen mögen, wie Tausende es getan haben und mich vergessen, so kann ich doch nicht sie vergessen; und jetzt möge Jakobs Gott mit euch sein! Oh, bleibt nahe bei Gott, meine lieben Freunde in London. Ich schreibe euch nicht vor, nahe bei der Chapel zu bleiben, das habt ihr immer getan. Ich werde mich bemühen, das Wort Gottes unter euch aufrechtzuerhalten, während ich abwesend bin; ich werde die gleichen Personen einsetzen, die schon das letzte Mal, als ich fort war, für mich alles verwaltet haben und sie haben mich immer wieder mit vielen Briefen darüber benachrichtigt, dass es bemerkenswert gewesen ist, dass die Leute aus Tottenham Court immer anwesend waren, wenn dort Gottesdienste stattfanden.

   Ihr seht, ich habe auf ein sicheres Fundament gebaut. Ich hätte Tausend jährlich aus diesem Ort ziehen können, wenn ich es gewollt hätte. Wenn ich in den Himmel gegangen bin, dann werdet ihr sehen, was ich auf Erden besitze. Ich mag jetzt nicht darüber sprechen, weil es wie Angeberei aussehen könnte, aber ich bin sicher, dass hier sehr viele Leute sind, die mich so sehr lieben würden, wie sie mich jetzt hassen, wenn sie wüssten, wieviel ich habe. Wenn wir vor den großen Richter der Lebenden und Toten treten werden, während ich vor ihm stehe, Gott gebe, dass ihr euch dann nicht von mir trennen müsst, es wird dann eine ganz furchtbare Trennung sein, es wird schlimmer sein, als ins Feuer zu gehen, mitten unter dem Teufel und seinen Engeln zu sein; Gott bewahre! Gott bewahre! Gott bewahre! Oh, erinnert euch, dass meine letzten Worte waren: Kommt, kommt zu Christus; der Herr helfe euch, zu Christus zu kommen; kommt zu Christus, kommt zu Jakobs Gott; Gott gebe euch Glauben wie Jakobs Glauben.

   Einige von denen sind hier, die freundlich zu mir gewesen sind, die mir geholfen haben, als ich krank war, die sehr gütig zu mir gewesen sind; möge Gott euch belohnen, meine Freunde, und Gott vergebe meinen Feinden. Gott, in seiner unendlichen Barmherzigkeit, segne euch alle; ihr werdet hier reichlich versorgt sein, das glaube ich. Möge Gott das Evangelium überall verbreiten; und möge Gott euch niemals verlassen noch von euch weichen.“ 30Jos 1,5 Ja, komm, Herr Jesus! 31Offb 22,20 Amen und Amen.

Fussnoten

  • 1
    Pred 5,7
  • 2
    1Mo 27,41
  • 3
    1Mo 25,27
  • 4
    1Mo 28,11
  • 5
    1Kor 10,11
  • 6
    Ps 91,11
  • 7
    William Burkitt (1650–1703) anglikanischer Geistlicher, Bibelausleger und Autor, besonders bekannt für sein Werk Expository Notes, with Practical Observations on the New Testament (Praktische Erklärung des Neuen Testaments, 1700)
  • 8
    Joh 14,6
  • 9
    Joh 10,9
  • 10
    Alpg 4,12
  • 11
    1Mo 3,24
  • 12
    Heb 10,20
  • 13
    Heb 7,26
  • 14
    Jer 17,5
  • 15
    Mt 27,42
  • 16
    Heb 1,14
  • 17
    Hi 38,7
  • 18
    Ps 137,2
  • 19
    Lk 2,14
  • 20
    Apg 1,9
  • 21
    Mt 18,10
  • 22
    Lk 16,22
  • 23
    Jer 31,2
  • 24
    1Kor 4,15
  • 25
    Joh 13,1
  • 26
    (engl. „Stiftshütte“), Name des Kirchengebäudes von Whitefields Methodistengemeinde in London, Moorfields
  • 27
    Offb 3,16
  • 28
    1Kor 1,21
  • 29
    (engl. „Kapelle“), Name des von Whitefield gebauten Kirchengebäudes in London, Tottenham Court Roadtabern
  • 30
    Jos 1,5
  • 31
    Offb 22,20