Der gute Hirte: Eine Abschiedspredigt

(Die letzte Predigt, die Whitefield in London predigte, am Mittwoch, dem 30. August 1769, vor seiner endgültigen Abreise nach Amerika)

Johannes 10,27–28: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“

Es ist ein allgemeines und meiner Meinung nach auch ein wahres Sprichwort, meine lieben Zuhörer, dass schlechte Manieren gute Gesetze hervorbringen. Egal, ob das so jetzt so ganz genau in Bezug auf alle Angelegenheiten dieser Welt zutreffend ist, jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass diese Beobachtung sehr passend ist in Bezug auf die Dinge der anderen Welt. Ich meine, schlechte Manieren, schlechte Behandlung, schlechte Worte sind durch die souveräne Gnade Gottes überstimmt worden, um die besten Predigten hervorzubringen und um sie überhaupt erst zu verursachen, die jemals vom Gottmenschen gehalten worden sind, Christus Jesus selbst.

   Eigentlich hätte man meinen sollen, dass – als er kam, bekleidet mit göttlicher Wirkungskraft, als er kam mit göttlicher Legitimation, als er sprach, so wie noch nie ein Mensch gesprochen hat, 1Joh 7,46 – dass niemand dazu fähig gewesen wäre, der Weisheit, mit der er sprach, zu widerstehen. Man hätte meinen sollen, dass sie so erschüttert von der Erweisung des Geistes 21Kor 2,4 gewesen waren, dass sie alle einmütig anerkannt hätten, dass er „der Prophet“ war, „wie Mose, der erweckt werden sollte.“ 35Mo 18,15 Aber ihr findet selten, dass unser Herr eine Predigt hielt, ohne dass sich jemand über irgendetwas, was er sagte, aufregte; ja, ihre Feindschaft brach oft unter allen guten Manieren hervor. Sie unterbrachen ihn deshalb oft, während er predigte, was die Feindschaft ihrer Herzen schon lange vorher zeigte, bevor Gott es erlaubte, dass es in ihrer Macht stehen würde, sein unschuldiges Blut zu vergießen. Dafür brauchen wir uns nur dieses Kapitel anzuschauen, in dem er sich als ein guter Hirte darstellte, einer, der sein Leben für seine Schafe gibt, 4Joh 10,15 dann sehen wir, dass das Beste, was er dafür zurückbekam, war, dass er für besessen oder gestört gehalten wurde. Denn uns wird erzählt, „es entstand eine Spaltung unter den Juden um dieser Worte willen; und viele von ihnen sagten: Er hat einen Dämon und ist von Sinnen, weshalb hört ihr auf ihn?“ 5Joh 10,19 Wenn sie den Hausherrn so behandelt haben, was sollen dann die Diener erwarten? 6Mt 10,25Andere, etwas nüchterner, sagten: „Das sind nicht die Worte eines Besessenen; der Teufel hat auf so eine Weise noch nie gepredigt oder gehandelt. Kann denn ein Dämon Blinden die Augen öffnen?‘7Joh 10,21 Also besaß er einige Freunde unter diesen Menschenmengen. Das entmutigte unseren Herrn nicht; er machte mit seiner Arbeit weiter; und wir sollen niemals, niemals mit Gottes Werk weitermachen, bis wir so wie unser Meister bereit dazu sind, sowohl gute als auch böse Kritik zu ertragen und es den Teufel sehen lassen, dass wir nicht so entgegenkommend sind, auch nur einen Moment wegen ihm anzuhalten, wenn er uns anbellt, während wir am Vorwärtsgehen sind.

   Wir lesen, unser Herr war in Jerusalem beim Fest der Tempelweihe, und es war Winter; 8Joh 10,22 das Fest der Tempeleinweihung dauerte, so glaube ich, sieben oder acht Tage, zur Erinnerung an die Wiederherstellung des Tempels und des Altars nach seiner Entweihung durch Antiochus. Nun war dies sicherlich eine rein menschliche Einrichtung und trug kein göttliches Abbild, keine göttliche Überschrift über sich; und dennoch stelle ich nicht fest, dass unser seliger Herr und Meister dagegen gepredigt hat; ich finde keinen Hinweis darauf, dass er seine Zeit darauf verschwendete; sein Herz war zu voll mit wichtigeren Dingen; und ich glaube, wenn wir, wie er, mit dem Heiligen Geist erfüllt sind, dann werden wir unser Publikum nicht mit Disputen über Riten und Zeremonien unterhalten, sondern über die wesentlichen Dinge des Evangeliums sprechen, und dann werden Riten und Zeremonien weniger wichtig erscheinen. Unser Herr sagt nicht, dass er nicht zum Fest gehen würde, denn im Gegenteil, er ging ja dahin, jetzt nicht vor allem um das Fest zu feiern, sondern um die Gelegenheit zu nutzen, das Evangeliums-Netz auszuwerfen; und das sollte unsere Methode sein, sich nicht an Disputen zu beteiligen; und es ist der Ruhm der Methodisten, dass es uns nun schon seit vierzig Jahren gibt, und ich danke Gott, dass von keinem unserer Prediger jemals auch nur ein einziges Flugblatt über die nicht wesentlichen Dinge der Religion verfasst worden ist.

   Unser Herr machte immer das Beste aus jeder Gelegenheit; und uns wird gesagt, „er ging im Tempel in der Halle Salomos umher.“ 9Joh 10,23 Man hätte gedacht, die Schriftgelehrten und Pharisäer hätten ihn in einen ihrer Stände gestellt und hätten ihm geschmeichelt, mit dem Wunsch, dass er doch bitte zu ihnen predigen möchte. Nein, sie ließen ihn in der Halle Salomos umhergehen. Einige denken, er ging allein umher und niemand wollte ihm Gesellschaft leisten. Ich sehe ihn vor mir, wie er umhergeht und sich den Tempel anschaut und in sich selbst voraussieht, wie bald er zerstört werden wird; er ging nachdenklich, um die schrecklichen Katastrophen zu sehen, die über das Land kommen würden, weil es den Tag seiner Heimsuchung nicht erkannt hat; 10Lk 19,44 und es war, um der Welt zu zeigen, dass er sich nicht fürchtete, in der Öffentlichkeit zu erscheinen. „Er ging umher“, so als ob er damit sagen würde: „Hat irgendjemand von euch mir etwas zu sagen?“ Und er stellte sich ihnen in den Weg, damit er, falls sie Fragen an ihn haben sollten, parat sein würde, um diese zu beantworten; und um ihnen zu zeigen, dass er trotzdem dazu bereit war, ihnen das Heil zu verkündigen, obwohl sie ihn so schlecht behandelt hatten.

   Im 24. Vers heißt es: „Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Wie lange hältst du uns im Ungewissen?“ Sie umringten ihn, als sie ihn in der Halle Salomos umhergehen sahen; „jetzt“, sagten sie, „haben wir ihn, jetzt wollen wir ihn angreifen.“ Und hier erfüllte sich diese Textstelle in den Psalmen: „Sie haben mich umringt wie Bienen,“ 11Ps 118,12 um mich zu stechen, oder eher wie die Wespen. „Jetzt“, sagen sie, „werden wir ihn umzingeln und sehen, was für ein Mann er ist; wir werden sehen, ob wir ihn nicht besiegen können“; sie kamen zu ihm und sie sagten: „Wie lange hältst du uns im Ungewissen?“ Nun, das scheint eine plausible Frage zu sein: „Wie lange hältst du uns im Ungewissen?“ „Bitte, Sir, wie lange wollen Sie uns noch auf die Folter spannen?“ Einige denken, die Worte sollten so interpretiert werden: „Bitte, Sir, wie lange wollen Sie noch unsere Herzen stehlen?“ Sie wollten ihn als einen berechnenden Mann darstellen, so einer wie Absalom, der versuchen würde, die Menschen auf seine Seite zu ziehen und sich dann selbst als Messias aufzustellen; so interpretieren fleischliche Geister immer die Handlungen guter Männer. Aber die Bedeutung scheint diese zu sein: Sie zweifelten an Christus; zweifelnde Christen denken vielleicht, es sei Gottes Schuld, dass sie zweifeln, aber Gott weiß, dass es ganz allein ihre eigene Schuld ist. „Wie lange hältst du uns im Ungewissen?“ „Ich wünschte, Sie würden ein wenig deutlicher sprechen, Sir, und es uns ersparen, noch eins Ihrer Gleichnisse anhören zu müssen.“ „Bist du der Christus, so sage es uns frei heraus.“ Und ich habe keine Zweifel daran, dass sie dabei ein sehr heiliges Gesicht machten und sehr fromm aussahen; „Bist du der Christus, so sage es uns frei heraus;“ mit der Absicht, ihn zu fangen. „Wenn er nicht sagt, dass er der Christus ist, dann werden wir sagen, dass er sich seiner eigenen Sache schämt; wenn er uns offen sagt, dass er der Christus ist, dann werden wir ihn beim Statthalter verklagen, wir werden zum Statthalter gehen und ihm sagen, dass dieser Mann behauptet, er sei der Messias; nun, wir wissen von keinem anderen Messias als dem, der den Kaiser von seinem Thron stoßen wird.“ Der Teufel will immer, dass geglaubt wird, dass Gottes Volk, welches die loyalsten Menschen in der Welt sind, Rebellen gegen die Regierung sein sollen, unter der sie leben. „Bist du der Christus, so sage es uns frei heraus.“ Unser Herr lässt sie nicht lange auf eine Antwort warten; Ehrlichkeit kann unverzüglich sprechen: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich tue in meines Vaters Namen, die zeugen von mir.“ Hätte unser Herr gesagt, „Ich bin der Messias“, hätten sie ihn sofort gefangen genommen; er wusste das, und deshalb verband er „die Klugheit der Schlangen“ mit „der Unschuld der Tauben.12Mt 10,16 Er sagte: „Ich berufe mich auf meine Werke und Lehren, und wenn ihr aus diesen nicht schließt, dass ich der Messias bin, dann habe ich kein weiteres Argument.“ „Aber“, fügte er hinzu, „ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen.“ Er beklagt sich zweimal; denn ihr Unglaube war der größte Schmerz für das Herz Christi. Dann fährt er fort mit den Worten unseres Textes: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“Meine Schafe hören meine Stimme; ihr denkt, ihr könnt mich verwirren, ihr denkt, ihr könnt mich ärgern mit diesem Verhalten, aber ihr irrt euch; aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen.“ 13Joh 10,26 Der große Solomon Stoddard aus Neuengland (kein Ort unter dem Himmel bringt größere Theologen hervor als Neuengland), hat einmal über diese Worte gepredigt: „Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen.“ Ein sehr seltsamer Text, darüber eine Predigt zu halten, um eine Gemeinde zu überzeugen! Doch Gott segnete diese Predigt so sehr, dass zwei- oder dreihundert Seelen durch diese Predigt erweckt wurden. Gott gewähre solchen Erfolg den Bemühungen aller seiner treuen Diener.

   „Meine Schafe hören meine Stimme, und sie folgen mir.“ Es ist sehr bemerkenswert, dass in der Schrift nur von zwei Sorten von Menschen die Rede ist: Sie spricht nicht von den Baptisten und den Unabhängigen, oder von den Methodisten und den Presbyterianern; nein, Jesus Christus teilt die ganze Welt nur in zwei Klassen ein: Schafe und Böcke. Der Herr gebe uns heute morgen zu sehen, zu welcher Klasse wir gehören.

   Es ist jedoch bemerkenswert, dass Gläubige immer mit etwas Gutem und Nützlichem verglichen werden, während Ungläubige immer mit etwas beschrieben werden, das schlecht ist und wenig oder gar nicht nützlich ist.

   Wenn ihr mich fragt, warum das Volk Christi als Schafe bezeichnet wird, ich werde euch, so Gott mir hilft, eine kurze Antwort geben und ich hoffe, diese wird für euch eine Antwort des Friedens sein. Schafe, wisst ihr, lieben es im Allgemeinen, zusammen zu sein; wir sagen „eine Herde Schafe“; Schafe sind kleine Geschöpfe, und das Volk Christi kann als Schafe bezeichnet werden, weil sie in den Augen der Welt klein sind und in ihren eigenen Augen noch kleiner. Oh, manche Leute denken, wenn die großen Männer auf unserer Seite wären, wenn wir Könige, Lords und Abgeordnete auf unserer Seite hätten, ich meine, wenn sie alle wahre Gläubige wären, oh, wenn wir alle Könige der Erde auf unserer Seite hätten! Stellt euch vor, das hättet ihr: Ach! Ach! Denkt ihr, die Gemeinde würde dadurch besser vorankommen? Na, wenn es Mode wäre, ein Methodist am Hof zu sein, wenn es Mode wäre, ein Methodist draußen auf dem Land zu sein, dann würden sie mit einer Bibel oder einem Gesangbuch herumlaufen, anstatt mit Romanen; aber Religion gedeiht nie unter zu viel Sonnenschein. „Nicht viele Weise, nicht viele Mächtige sind berufen, sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist.“ 141Kor 1,26-27 Dr. Isaac Watts sagt: „Hier und da sehe ich einen König, und hier und da einen großen Mann im Himmel, aber ihre Zahl ist insgesamt sehr klein.“

   Schafe gelten als die harmlosesten, ruhigsten Kreaturen, die Gott gemacht hat: O möge Gott, in seiner unendlichen Barmherzigkeit, es uns schenken, dass wir erkennen, dass wir seine Schafe sind, indem uns diese gesegnete Gemütsart durch den Heiligen Geist in unser Herz eingeflößt wird. „Lernt von mir“, sagt unser gesegneter Herr; was zu tun? Wunder zu wirken? Nein; „Lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.“ 15Mt 11,29 Ein sehr guter Mann, der heute lebt, sagte einmal, wenn es eine besondere Eigenschaft gibt, die ich mehr als jede andere begehre, dann ist es die Gnade der Sanftmut, schlechte Behandlung ruhig zu ertragen, zu vergessen und zu vergeben; und zur gleichen Zeit, da mir bewusst wird, dass ich verletzt worden bin, mich nicht vom Bösen überwinden zu lassen, sondern die Gnade zu erhalten, das Böse mit Gutem zu überwinden. 16Röm 12,21 Zur Ehre von Mose wird erklärt, dass er der sanftmütigste Mensch auf Erden war. 174Mo 12,3 Sanftmut ist notwendig für Menschen in Machtpositionen; ein leidenschaftlicher Mensch ist gefährlich. Jeder Gouverneur sollte ein warmherziges Gemüt haben, aber ein Mensch mit einem unerbittlichen, unversöhnlichen Temperament ist zur Regierung nicht besser geeignet als Phaethon, der den Sonnenwagen fährt; er setzt nur die Welt in Brand.

   Ihr wisst alle, dass Schafe von allen Geschöpfen in der Welt am ehesten dazu neigen, sich zu verirren und verloren zu gehen; Christi Volk kann in dieser Hinsicht zu Recht mit Schafen verglichen werden; deshalb sagen wir zu Beginn unserer Morgenandacht: „Wir haben uns verirrt und sind von deinen Wegen abgewichen wie verlorene Schafe.“ 18Aus dem Morning Prayer in Book of Common Prayer (Allgemeines Gebetbuch der Anglikanischen Kirche) Setzt ein Pferd oder einen Hund aus, und sie werden ihren Weg nach Hause finden, aber ein Schaf irrt umher; es blökt hier und dort, als wollte es sagen, „Lieber Fremder, zeige mir meinen Weg wieder nach Hause!“ So neigen die Schafe Christi dazu, sich vom Stall weg zu verirren; wenn sie ihren Blick vom großen Hirten abwenden, sie laufen in dieses Feld hinein und in jenes, über diesen Zaun und jenen, und wenn sie nach Hause zurückkehren, haben sie oft ihre Wolle verloren.

   Aber gleichzeitig sind Schafe die nützlichsten Geschöpfe auf der Welt; sie düngen das Land und bereiten es damit für das Saatgut vor; sie kleiden unsere Körper mit Wolle, und es gibt keinen Teil eines Schafs, der für den Menschen nicht nützlich ist: O meine Brüder, Gott gebe, dass ihr und ich in dieser Hinsicht den Charakter von Schafen annehmen. Die Welt sagt, weil wir den Glauben predigen, leugnen wir gute Werke; das ist der übliche Einwand gegen die Lehre der zugerechneten Gerechtigkeit, aber es ist eine Verleumdung, eine dreiste Verleumdung. Zur Zeit der ersten Reformatoren galt die Maxime, dass zwar die Arminianer von guten Werken predigten, aber man zu den Calvinisten gehen müsse, um diese zu finden. Christi Schafe streben danach, nützlich zu sein und alle zu bekleiden, die sie können; wir sollten mit unseren eigenen Händen arbeiten, damit wir den Bedürftigen abgeben können. 19Eph 4,28

   Gläubige bedenken, dass sie Christi Eigentum sind; er sagt: „Meine Schafe.“ O gepriesen sei Gott für dieses kleine, kostbare, großartige Wort „Meine“. Wir sind seine ewige Auswahl: „Die Schafe, die du mir gegeben hast,“ sagt Christus. Sie wurden Christus Jesus vom Gott Vater gegeben, im Bund, den der Vater und der Sohn von aller Ewigkeit her geschlossen haben. Denjenigen, die nicht dazu gebracht werden können, das zu sehen, wünsche ich bessere Köpfe; obwohl ich glaube, viele, die dagegen sind, haben bessere Herzen: Der Herr helfe uns, einander zu ertragen, wo ein ehrliches Herz vorhanden ist.

   Er nennt sie „Meine Schafe;“ er hat sie erworben und sie gehören ihm. O Sünder, Sünder, du bist heute Morgen gekommen, um das „letzte Lebewohl“ eines armen Geschöpfs zu hören, aber ich möchte, dass du das Geschöpf vergisst, das am Predigen ist, ich möchte dich weiter als die Stiftshütte führen: „Wohin willst du uns führen?“ Na, zum Berg Golgatha, um dort zu sehen, zu welchem Preis an Blut Christus diejenigen erkauft hat, die er sein Eigentum nennt; er erlöste sie mit seinem eigenen Blut, sodass sie nicht nur ihm gehören durch die Erwählung von Ewigkeit her, sondern auch durch die tatsächliche Erlösung in der Zeit; und sie wurden ihm vom Vater gegeben unter der Bedingung, dass er sie mit seinem Herzblut erlösen solle. Es war ein harter Handel, aber Christus war bereit, den Handel einzugehen, damit ihr und ich nicht für immer verdammt werden würden.

   Sie gehören ihm, weil sie dazu befähigt werden, sich ihm am Tag der Macht Gottes 20Ps 110,3 freiwillig hinzugeben; Christus sagt von diesen Schafen ganz besonders, dass „sie seine Stimme hören, und sie folgen ihm.“ 21Joh 10,27 Würdet ihr bitte so gut sein, darauf zu achten! Seht, hier gibt es eine Anspielung auf einen Hirten; nun, an einigen Stellen in der Schrift wird der Hirte so dargestellt, dass er seinen Schafen nachgeht: „Ich habe dich von der Weide hinter der Herde weggeholt, damit du Fürst über mein Volk, über Israel, sein solltest.“ 222Sam 7,8 „Als er den tragenden Schafen nachging, holte Er ihn, Dass er Jakob weiden sollte, sein Volk, und Israel, sein Erbe.“ 23Ps 78,71 So machen wir es in England; aber im Nahen Osten gingen die Schafhirten meistens voran; sie hielten ihren Hirtenstab hoch und sie hatten einen besonderen Ruf, den die Schafe verstanden. Nun, sagt Christus, „Meine Schafe hören meine Stimme.“ „Dies ist mein geliebter Sohn,“ sagt Gott, „hört auf ihn.“ 24Mt 17,5 Und noch einmal: „Die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören, und die sie hören, die werden leben.“ 25Joh 5,25 Nun ist die Frage, was verstehen wir darunter, die Stimme Christi zu hören?

   Zuerst hören wir die Stimme von Moses, wir hören die Stimme des Gesetzes; es gibt keinen Weg zum Berg Zion, außer dem Weg über den Berg Sinai; das ist der richtige gerade Weg dorthin. Ich weiß, dass einige sagen, sie wüssten nicht, wann sie bekehrt wurden; aber das sind, glaube ich, nur sehr wenige; im Allgemeinen, ja, ich würde sagen, fast immer, handelt Gott anders. Einige werden in der Tat früher vom Herrn gerufen als andere, aber bevor sie die Herrlichkeit Gottes sehen, müssen sie die Stimme des Gesetzes hören; also ihr müsst die Stimme des Gesetzes hören, bevor ihr jemals rettend zu Gott gerufen werdet. Ihr würdet auch niemals euren Umhang in einem Sturm wegwerfen, sondern ihn umso fester umklammern; und so lässt das Gesetz einen Menschen seine Sünden fest umklammern, („Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber ich hätte die Sünde nicht erkannt, außer durch das Gesetz. denn von der Begierde hätte ich nichts gewusst, wenn das Gesetz nicht gesagt hätte: Du sollst nicht begehren! Da nahm aber die Sünde einen Anlass durch das Gebot und bewirkte in mir jede Begierde; denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte, als ich noch ohne Gesetz war; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf, und ich starb“  26Röm 7,7-9) aber wenn das Evangelium des Sohnes Gottes in die Seelen scheint, dann werfen sie die Sünden ab, die sie so umklammert haben; sie hören seine Stimme, die sagt: „Sohn, Tochter, sei guten Mutes, deine Sünden, die viele sind, sind dir alle vergeben.“ 27Lk 7,48 „Sie hören seine Stimme;“ das zeugt von ihrem gewohnheitsmäßigen Gemütszustand: Die Gottlosen hören die Stimme des Teufels, die Fleischeslust, die Augenlust und den Hochmut des Lebens; 281Joh 2,16 und die Schafe Christi haben selbst auch darauf gehört vor ihrer Bekehrung; aber nachdem sie später von Gott gerufen worden sind, hören sie die Stimme des Blutes eines Erlösers, das Frieden zu ihnen spricht, sie hören die Stimme seines Wortes und seines Geistes.

   Die Konsequenz davon, seine Stimme zu hören und der Beweis dafür, dass wir tatsächlich seine Stimme hören, wird sein — ihm zu folgen. Jesus sagte zu seinen Jüngern, „Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!“ 29Mt 16,24 Und von den Heiligen in der Herrlichkeit heißt es, dass „sie dem Lamm nachfolgen, wohin es auch geht.“ 30Offb 14,4 Wohin auch immer der Hirte seinen Krummstab wendet und die Schafe seine Stimme hören, sie folgen ihm; sie trampeln oft aufeinander und verletzen sich gegenseitig, so eilig haben sie es auf ihrem Weg zum Himmel. Christus zu folgen bedeutet, ihm durch das Leben zu folgen, ihm in jedem Wort und Geste zu folgen, ihm aus einer Gegend in die andere zu folgen. „Befiehl mir, zu dir auf das Wasser zu kommen,“ 31Mt 14,28 sagte Petrus; und wenn uns befohlen wird, für Christus über das Wasser zu gehen, dann Gott, in seiner unendlichen Barmherzigkeit, folge uns! Wir müssen zuerst sicher sein, dass der große Hirte uns mit seinem Krummstab die Richtung weist: Und dies ist der Charakter eines wahren Dieners Christi, dass er sich anstrengt, Christus in Gedanken, Worten und Werken zu folgen.

   Nun, meine Brüder, bevor wir weitermachen: Weil das die letzte Gelegenheit ist, die ich in den kommenden Monaten haben werde, mit euch zu sprechen, so wir leben; einige von euch, nehme ich an, ziehen es im Allgemeinen nicht vor, so früh aufzustehen wie heute Morgen; nun ich hoffe, dass die Welt nicht in eure Herzen gekommen ist, bevor ihr eure Betten verlassen habt; nun, jetzt, da ihr hier seid, lasst mich euch bitten, zu prüfen, ob ihr zu Christi Schafen gehört oder nicht. Mann, Frau, Sünder, lege deine Hand auf dein Herz und antworte mir. Hast du je Christi Stimme gehört, um ihm zu folgen, dich ihm ohne Vorbehalt zu übergeben? Ich glaube wahrhaftig aus meiner tiefsten Seele (und das ist mein Trost, jetzt da ich kurz davor bin, mich von euch zu verabschieden), dass ich zu einer großen Zahl, einer Menge von lieben, kostbaren Seelen predige, für die es zutreffend ist, dass sie so sprechen würden, wenn man sie danach fragen würde: „Dank sei Gott, dass wir Jesus mit dem Charakter von Schafen folgen können, obwohl wir uns schämen, daran zu denken, wie oft wir von ihm abirren und wie wenig Frucht wir ihm bringen.“ Wenn das die Sprache eurer Herzen ist, dann wünsche ich euch Freude; willkommen, willkommen, liebe Seele, bei Christus. O gepriesen sei Gott für seine reiche Gnade, seine unterscheidende, souveräne, auserwählende Liebe, durch welche er euch und mich abgesondert hat. Und wenn es ihm wohlgefallen hat, euch seine Stimme hören zu lassen, durch die Predigt eines armen, elenden Sünders, eines armen, aber glücklichen Pilgers, dann möge dem Herrn Jesus Christus der ganze Ruhm gehören.

   Wenn ihr zu Jesus Christus gehört, dann spricht er von euch; denn er sagt, „Ich kenne meine Schafe.“ „Ich kenne sie.“ Was bedeutet das? Nun, er kennt ihre Anzahl, er kennt ihre Namen, er kennt jedes einzelne, für das er gestorben ist; und wenn auch nur eines fehlen würde, für das Christus gestorben ist, würde Gott der Vater ihn wieder von Himmel herab senden, um es zu holen. „Von denen,“ sagt er, „die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.“ 32Joh 18,9 Christus kennt seine Schafe; er kennt nicht nur ihre Anzahl, sondern die Worte sprechen von dem besonderen Wissen und der Aufmerksamkeit, die er ihnen schenkt; er kümmert sich um jedes einzelne so besonders, als wäre es das einzige Schaf auf der ganzen Welt. Zu den Heuchlern sagt er: „Wahrlich, ich kenne euch nicht.“ 33Mt 25,12 Aber er kennt seine Heiligen, all ihre Sorgen, ihre Prüfungen und Versuchungen sind ihm bekannt. Er sammelt all ihre Tränen in seinen Krug, 34Ps 56,9 er kennt ihre häuslichen Prüfungen, er kennt ihre innere Verdorbenheit, er kennt all ihr Umherirren, und er kümmert sich darum, sie wieder zurückzuholen. Ich erinnere mich, dass ich einmal den guten Dr. Zephaniah Marryat, der ein Prediger mit guten Redewendungen war, in Pinner’s Hall sagen hörte (ich hoffe, dass diese Kanzel immer mit solchen Predigern besetzt sein wird): „Gott hat einen großen Hund, um seine Schafe zurückzuholen“, sagte er. Wisst ihr nicht, dass, wenn die Schafe umherirren, der Schäfer ihnen seinen Hund hinterherschickt, um sie wieder zurückzuholen? Also wenn Christi Schafe umherirren, dann lässt er den Teufel sie verfolgen und lässt es zu, dass er sie anbellt, der so, anstatt sie noch weiter wegzutreiben, zu einem Werkzeug gemacht wird, um sie wieder in den Stall Christi zurückzubringen.

   Es gibt ein kostbares Wort, auf das ich möchte, dass ihr auf es achtet: „Ich kenne sie“, das mag euch Trost spenden in all euren Prüfungen. Wir denken manchmal, dass Christus unsere Gebete nicht hört, dass er uns nicht kennt; wir sind sofort bereit dazu, zu vermuten, dass er vergessen hat, gnädig zu sein; aber was für eine Gnade ist es, dass er wirklich uns kennt. Wir beschuldigen einander, wir verwandeln uns in Teufel gegenüber einander, wir sind Verkläger unserer Brüder; 35Offb 12,10 und was wird zwei aus Gottes Volk stützen, wenn sie sich gegenseitig richten, wenn nicht dieses: „Herr, du kennst meine Aufrichtigkeit, du weißt, wie es um mich steht?“

Aber, meine Brüder, hier ist noch etwas Besseres, hier sind gute Neuigkeiten für euch. Was ist es? Was glaubt ihr? Nun: „Ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie sollen niemals verloren gehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ O, mögen diese Worte mit genauso viel Wärme und Kraft zu euren Herzen sprechen, wie sie es vor fünfunddreißig Jahren zu meinem getan haben. Ich habe gegen irgendeine Verderbtheit, die ich in meinem Leben hatte, niemals so sehr gebetet, wie ich dagegen gebetet habe, so früh in den heiligen Dienst einzutreten, wie meine Freunde es wollten, dass ich es tun sollte; und Bischof Benson freute sich, mich mit besonderer Freundschaft zu ehren, so dass er mir anbot, mich zu befördern und alles für mich zu tun. Meine Freunde wollten, dass ich beizeiten in der Kirche die Karriereleiter erklimme, sie wollten, dass ich mir viel zu jung den Kopf an der Kanzel anschlage; aber wie manche junge Männer hier und da vorne stehen und predigen, ich weiß nicht, wie es ihnen geht; aber Gott weiß, wie tief es mich besorgte, in den Dienst zu treten und zu predigen; ich habe tausendmal gebetet, bis der Schweiß wie Regen von meinem Gesicht getropft ist, dass Gott, in seiner unendlichen Barmherzigkeit mich nicht in die Kirche eintreten lässt, bevor er mich zu seinem Werk ruft und mich vorwärts dort hineinschubst. Ich erinnere mich, dass ich einmal in Gloucester sagte, (ich kenne den Raum, ich schaue hoch zum Fenster, wenn ich dort bin, und die Straße entlanggehe; ich kenne das Fenster, das Bett und den Fußboden, auf dem ich ausgetreckt gelegen bin) ich sagte: „Herr, ich kann nicht gehen, ich werde mit Stolz aufgeblasen werden und in das Gericht des Teufels fallen; 361Tim 3,6 Herr, lass mich noch nicht gehen.“ Ich bat darum, noch zwei oder drei Jahre in Oxford bleiben zu können; ich hatte vor, hundertfünfzig Predigten zu machen und dachte, ich würde mit einem guten Vorrat starten. Aber ich erinnere mich, dass ich betete, rang und mit Gott kämpfte; ich sagte: „Ich bin verloren, ich bin nicht dazu geeignet, in deinem großen Namen zu predigen, sende mich nicht, bitte, Herr, sende mich noch nicht.“ Ich schrieb an alle meine Freunde in der Stadt und auf dem Land, dass sie gegen die Aufforderung des Bischofs beten sollten, aber sie bestanden darauf, dass ich vor meinem zweiundzwanzigsten Lebensjahr in den Dienst eintreten sollte. Nach all den Bitten kamen mir diese Worte in den Sinn: „Meine Schafe hören meine Stimme, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.“ O mögen diese Worte, mit denen ich Abschied nehme, euch zum Segen sein, meine lieben Freunde, so wie sie es für mich waren, als sie mein Herz erwärmten; ab dem Zeitpunkt, und zwar erst ab dann sagte ich: „Herr, ich werde gehen, sende mich, wann du willst.“ Ich erinnere mich, als ich mich an einem Ort namens Dover-Island befand, nahe Georgia, und wir legten bei schlechtem Wind an; ich hatte hundertfünfzig Leute an Familie zu versorgen, und keinen einzigen Heller, um es zu tun, in dem mir am liebsten Teil des Königreichs; ich erinnere mich, dass ich zu einem Diener Christi, der jetzt im Himmel ist, sagte: „Sir, einmal hatte ich schon diese Worte bekommen „Nichts wird dich aus meiner Hand reißen.“ „O“, sagt er, „lass dich von ihnen trösten, du kannst sicher sein, dass Gott so gut wie sein Wort sein wird, auch wenn er es dir nie wieder so sagt.“ Und unser Herr wusste, dass seine armen Schafe immer daran zweifeln würden, ob sie jemals den Himmel erreichen würden, deshalb sagt er: „Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen.“

   Hier sind in unserem Text drei gesegnete Erklärungen oder Verheißungen:

   Erstens. Ich kenne sie.

   Zweitens. Sie werden nimmermehr umkommen; obwohl sie oft denken, dass sie durch die Hand ihrer Lüste und Verderbtheiten umkommen werden; sie denken, dass sie durch die Falschheit ihrer Herzen umkommen werden; aber Christus sagt: „Sie werden nimmermehr umkommen.“ Ich habe sie aus der Welt zu mir selbst gebracht und denkst du, ich werde sie danach zur Hölle gehen lassen? „Ich gebe ihnen ewiges Leben;“ beachtet das bitte gut; nicht „Ich werde es tun“, sondern „Ich tue es.“ Einige sprechen davon, am Tag des Gerichts gerechtfertigt zu werden; das ist Unsinn; wenn wir hier nicht gerechtfertigt sind, werden wir dort nicht gerechtfertigt sein. Er gibt ihnen ewiges Leben, das heißt: das Pfand dafür, die Garantie, und die Zusicherung. Das Innewohnen des Geistes Gottes hier ist das Pfand für die Herrlichkeit im Jenseits.

   Drittens. Niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Er hält sie in seiner Hand, das heißt, er hält sie durch seine Macht; niemand wird sie von dort herausreißen. Es gibt immer etwas, das an den Schafen Christi reißt; der Teufel, die Fleischeslust, die Augenlust und der Hochmut des Lebens, 371Joh 2,16 alle versuchen, sie aus der Hand Christi zu reißen. O meine Brüder, sie müssen nicht einmal an uns reißen, wo wir selbst doch allen dreien dabei behilflich sind, uns selbst aus der Hand Jesu zu reißen; aber „Niemand wird sie aus meiner Hand reißen,“ sagt Christus. „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Ich gehe in den Himmel, um eine Stätte für sie zu bereiten, 38Joh 14,2 und dort werden sie sein.“ O meine Brüder, wenn ich euch nicht zu lange damit aufhalten und meine eigenen Kräfte zu sehr erschöpfen würde, dann würde ich euch auffordern, vor Freude zu hüpfen; 39Lk 6,23 es gibt keinen gesegneteren Text, um das finale Ausharren der Heiligen 40Offb 14,12 besser zu untermauern; und ich bin erstaunt, dass irgendwelche armen Seelen, und gute Menschen, hoffe ich, gegen die Lehre des Ausharrens der Heiligen ankämpfen können: Was ist, wenn jemand sagt, sie sollten in der Gottlosigkeit ausharren? Ah! Das ist ein Missbrauch der Lehre; was, nur weil manche Leute gutes Essen verderben, sollen wir es nie wieder essen? Aber, meine Brüder, mit diesem Text kann ich meine Sorgen und all meine Freunde und alle Schafe Christi dem Schutz der niemals versagenden Liebe Christi anvertrauen.

   Als ich heute Morgen von der anderen Seite der Stadt hierherfuhr, da fühlte es sich für mich an, wie dorthin gefahren zu werden, wo ich öffentlich hingerichtet werden soll und als die Kutsche am Ende der Straße abbog und ich euch hierherlaufen sah, da dachte ich: „So ist es, wenn jemand gerade an dem Ort ankommt, wo er hingerichtet werden soll. Als ich aufstand, um meinen Talar anzuziehen, da kam es mir vor, wie wenn ich mich jetzt zurecht machen würde, um zum öffentlichen Spektakel gemacht zu werden, um mein Blut für Christus zu vergießen. Ich nehme den ganzen Himmel und die Erde als Zeugen und Gott und die heiligen Engel als Zeugen, dass, obwohl mir genügend Karrieremöglichkeiten angeboten wurden, obwohl der Bischof mich in seine Arme nahm und mir zwei Pfarreien anbot, bevor ich zweiundzwanzig war, und mich immer zu seinem Tisch einlud; obwohl mir auch bei meiner Ordination genügend Karriereoptionen angeboten wurden, du, o Gott, weißt, dass ich, als der Bischof seine Hand auf meinen Kopf legte, keine andere Karriere suchte als öffentlich für das Lamm Gottes zu leiden: In diesem Geist kam ich hinaus, in diesem Geist kam ich in diese Metropole. Ich dachte, als ich las, wie Jakob mit seinem Stab den Fluss überquerte, 411Mo 32,11 dass ich nicht sagen könnte, dass ich wenigstens so etwas wie einen Stab gehabt hätte, sondern ich kam her ohne einen Freund, ich ging nach Oxford ohne einen Freund, ich hatte keinen Diener, ich hatte keinen einzigen, der mich jemandem vorstellte; aber Gott, durch seinen Heiligen Geist, hat es wohlgefallen, mich aufzurichten, um um seines großen Namens willen 421Sam 12,22 zu predigen. Durch seinen göttlichen Geist habe ich bis heute damit weitergemacht und ich fühle, dass meine Liebe zum Werk und zum Volk des lebendigen Gottes so stark ist wie immer. Die Gemeinden an beiden Enden der Stadt liegen mir sehr am Herzen: Gott hat mich geehrt, diesen Ort und den anderen zu bauen; und, gepriesen sei sein Name, als er mich zuerst nach Georgia gerufen hat und ich alle Londoner Angelegenheiten Gottes Fürsorge überließ, als mir die meisten Kirchen in London offenstanden und immer zwölf oder vierzehn Polizisten die Türen bewachten, damit die Leute sich nicht zu sehr drängten; ich hatte damals hunderte Angebote, mich in London niederzulassen, doch ich gab alles auf, um für Gott zum Pilger zu werden, um in ein fremdes Land zu gehen; und ich hoffe, dass ich auch jetzt mit dieser einzigen gleichen Absicht fortgehe.

   Nun muss ich zum schwierigsten Teil kommen, der noch getan werden muss; ich hatte Angst, als ich von zu Hause wegging, dass ich den Schock nicht ertragen könnte, aber ich hoffe, der Herr Jesus Christus wird mir helfen, ihn zu ertragen, und euch helfen, mich dem gesegneten Gott zu überlassen, möge er mit mir tun, was er will. Dies ist das dreizehnte Mal, dass ich die mächtigen Wasser überquere; es ist etwas schwierig in diesem Lebensabschnitt; und obwohl mein Mut in gewissem Maße zugenommen hat, so ist doch Schwäche das Beste von meiner Stärke: Aber ich bin klar wie Licht in meiner Berufung und Gott erfüllt mich mit einem Frieden, der unaussprechlich ist, in den kein Fremder sich einmischen kann: In seine Hände befehle ich meinen Geist; 43Lk 23,46 und ich bitte sehr, dass dies die Sprache eurer Herzen sein möge: „Herr, bewahre ihn, lass nichts ihn aus deinen Händen reißen.“ Ich erwarte viele Prüfungen, während ich an Bord sein werde, der Satan begegnet mir dort immer; aber der Gott, der mich bewahrt hat, ich glaube, dass er mich auch bewahren wird. Ich danke Gott, ich habe die Ehre, alles ziemlich gut und entspannt an beiden Enden der Stadt zu verlassen; und, meine lieben Zuhörer, meine Gebete an Gott werden sein, dass nichts euch aus den Händen Christi reißen kann. Sagt gegen mich als Zeugen aus, wenn ich jemals eine Gruppierung für mich selbst gegründet habe. Hat jemals ein Geistlicher gesagt, oder könnte irgendein Geistlicher auf der Welt sagen, dass ich jemals gegen irgendjemand geredet habe, dass er zu irgendeinem lieben Geistlichen ging? Ich danke Gott, dass er mich dazu befähigt hat, immer allen die Hände zu stärken, auch wenn sich später einige geschämt haben, mich zu kennen. Ich teile euch hiermit mit, dass ich glaube, dass Gott mit mir sein wird und mich stärken wird; und ich glaube, es ist eine Antwort auf eure Gebete, dass Gott Gefallen daran hat, meinen Geist zu beleben: Möge der Herr euch helfen, weiter zu beten. Wenn ich in den Wellen ertrinken sollte, werde ich sagen, während ich ertrinke: „Herr, sorge für mein London, sorge für meine englischen Freunde, lass nichts sie aus deinen Händen reißen.“

   Und weil Christus uns ewiges Leben gegeben hat, werden einige von euch, o meine Brüder, da bin ich mir sicher, noch vor meiner Rückkehr zu ihm gegangen sein; aber, meine lieben Brüder, meine lieben Zuhörer, bekümmert euch nicht darum; wir müssen uns zwar trennen, aber dann werden wir uns wiedersehen für immer. Ich wage es nicht, euch jetzt zu begegnen, ich kann es nicht ertragen, dass ihr zu mir kommt, um euch von mir zu verabschieden; es schneidet mir ins Herz, und es überwältigt mich völlig, aber bald wird das Abschiednehmen vorbei sein, und alle Tränen werden von unseren Augen abgewischt werden. 44Offb 21,4 Gott gewähre, dass keiner, der jetzt über mein Fortgehen weint, bei unserem Wiedersehen am Tag des Gerichts weinen wird; und wenn ihr noch nie unter den Schafen Christi wart, möge Christus Jesus euch jetzt dorthin bringen. O kommt, kommt, seht, was es heißt, ewiges Leben zu haben; lehnt es nicht ab; eilt, Sünder, beeilt euch: Möge der große, der gute Hirte 45Joh 10,11 eure Seelen ziehen. Oh! Wenn ihr seine Stimme noch nie gehört habt, gewähre Gott, dass ihr sie jetzt hört; damit ich diesen Trost habe, wenn ich fort bin, dass es so wie es beim letzten Mal sein wird, als ich euch verlassen habe, als einige Seelen bei der Abschiedspredigt auferweckt wurden. O dass es doch eine Abschiedspredigt für euch sein möge; dass es ein Mittel dazu sein möge, dass ihr Abschied nehmt von der Welt, von der Fleischeslust, der Augenlust und dem Hochmut des Lebens. 461Joh 2,16 O kommt! Kommt! Kommt! Zu dem Herrn Jesus Christus; an ihn übergebe ich euch.

   Und ihr, die lieben Schafe, die bereits in seinen Händen sind, O möge Gott euch vor dem Umherirren bewahren; Gott gebe, dass ihr in der Nähe der Füße Christi bleibt; mir ist es gleich, welche Schäfer euch hüten, wenn ihr nur nahe beim großen Hirten und Bischof der Seelen 471Petr 2,25 gehütet werdet. Gott der Herr behüte euch, lasse sein Angesicht leuchten über euch und gebe euch Frieden. 484Mo 6,24-26 Amen.

Fussnoten

  • 1
    Joh 7,46
  • 2
    1Kor 2,4
  • 3
    5Mo 18,15
  • 4
    Joh 10,15
  • 5
    Joh 10,19
  • 6
    Mt 10,25
  • 7
    Joh 10,21
  • 8
    Joh 10,22
  • 9
    Joh 10,23
  • 10
    Lk 19,44
  • 11
    Ps 118,12
  • 12
    Mt 10,16
  • 13
    Joh 10,26
  • 14
    1Kor 1,26-27
  • 15
    Mt 11,29
  • 16
    Röm 12,21
  • 17
    4Mo 12,3
  • 18
    Aus dem Morning Prayer in Book of Common Prayer (Allgemeines Gebetbuch der Anglikanischen Kirche)
  • 19
    Eph 4,28
  • 20
    Ps 110,3
  • 21
    Joh 10,27
  • 22
    2Sam 7,8
  • 23
    Ps 78,71
  • 24
    Mt 17,5
  • 25
    Joh 5,25
  • 26
    Röm 7,7-9
  • 27
    Lk 7,48
  • 28
    1Joh 2,16
  • 29
    Mt 16,24
  • 30
    Offb 14,4
  • 31
    Mt 14,28
  • 32
    Joh 18,9
  • 33
    Mt 25,12
  • 34
    Ps 56,9
  • 35
    Offb 12,10
  • 36
    1Tim 3,6
  • 37
    1Joh 2,16
  • 38
    Joh 14,2
  • 39
    Lk 6,23
  • 40
    Offb 14,12
  • 41
    1Mo 32,11
  • 42
    1Sam 12,22
  • 43
    Lk 23,46
  • 44
    Offb 21,4
  • 45
    Joh 10,11
  • 46
    1Joh 2,16
  • 47
    1Petr 2,25
  • 48
    4Mo 6,24-26